Chinesische Trauerveranstaltung anlässlich der Erdrutschkatastrophe

Hier mein Eindruck, den ich bereits an anderer Stelle wiedergab…

Gestern wurde den Opfer der Erdrutsch Tragödie in Westchina gedacht. Gut und schön, nationale Anerkennung für schwerwiegende Verluste ist immer etwas Gutes. Was da aber gestern im gleichgeschalteten TV los war, das war ein Schlag in die Gesichter der Opfer, eine Aberkennung von jeglichen Respekt seitens der Offiziellen und ein Zeugnis darueber, welches Geistes Kind der ewig gestrige Kommunistenapparat ist.

Akt 1: hübsch in Szene gesetzt, filmreif mit orchestralen Gesängen unterlegt, hastet die Volksbefreiungsarmee zum Unglücksort wo man mit bloßen Händen nach Verschütten sucht. Warum die Soldaten Gewehre anstatt Schaufeln mit dabei haben bleibt offen. Das filmisch Talent der Macher beschränkt sich augenscheinlich auf das Abspielen in Zeitlupe, denn seien wir einmal ehrlich, ein weinendes Kind kommt gleich viel theatralischer umso länger man es langsam in die Kamera hält. Nun ist das alles kein Ponyhof und so mancher Soldat bricht weinend, doch Rettung naht: eine weibliche Sanitäterin nimmt ihn sogleich in den Arm mit den Worten: „Das Vaterland wird es dir danken!“ Nun ist es soweit, die Plackerei wird belohnt und just dort wo die Kamera steht wird ein Überlebender gefunden, Mao sei Dank! Aber was ist das?! Er verliert die Besinnung und ist eingeklemmt! Geschätzte 200 Soldaten versuchen eine Häuserwand hoch zu stemmen und ja, ja, ja, die Bewegung der Massen ist erfolgreich! Warum jetzt 50 Personen einen (!) Verletzten 10 Meter weit auf einer Trage zum nächsten Zelt bringen ist ein Rätsel, das es für den Betrachter zu lösen gilt.

Akt 2: keine Macher ohne Manager, Auftritt: lokaler Parteisekretär. In Hemdsärmeln gefolgt von einem Kadertross stapft er durch den Matsch, schüttelt Hände, gräbt 1 kg Erde von einem Fleck auf den anderen und gibt somit seinen Beitrag zur Beseitigung der Katastrophe. Auch die lokalen Überlebenden sind ihm sehr dankbar und der Verlust der gesamten Familie wiegt gleich weniger schwer, wenn man einmal die Hand dieses unerschütterlichen Kämpfer des Proletariats berühren durfte. Das jenes Opfer makellose Manikuere hatte fällt da kaum auf, denn in diesem Bereich Chinas ist es ja Gang und Gebe…. Gestresst und müde lässt sich der gute Mann nach 3 Stunden Ortsbesichtigung in seinen Phaeton fallen, gewiss etwas Gutes getan zu haben und wieder einmal die bewiesen hat, dass ohne ihn hier gar nichts geht in diesem schönen Landstrich Chinas. CCTV honoriert ihn mit einem 10 minütigen Beitrag über seine Lebensgeschichte, vergessen ist all das Leid zumindest für einen Augenblick des Ruhmes.

Akt 3: nun sind alle genug weich gespült für das Finale dieser Farce; Vorhang auf für den Spendenaufruf! Wieder in Zeitlupe – wie bereits die vergangenen 2 Stunden – sieht man die ärmsten der Armen rote Mao Abbilder in große Kisten stecken, die Spendenlawine reißt alle Schichten mit. Moment, alle? Nein, ein fehlt! Wie konnten die Macher nur vergessen zu zeigen, wie Parteikader ihre Passats, Buicks und E-Klassen spenden! Eine untragbare Verfehlung wenn man mich fragt, die wichtigsten Männer bleiben im Hintergrund und ihre Güte wird nicht honoriert. Dann nähern wir uns dem Ende, C-Prominenz reicht sich die Hände (sofern gerade kein Sektglas in der Nähe ist) und singt mit allen Menschen ein schönes Lied;l zum Abschluss die Hymne. Weiche Farben umspielen das TV BIld, alles wird gut….

Gestern hat sich Chinas KP mal wieder ein Musterzeugnis an Armut ausgestellt. Das ist nicht nur die Meinung eines Kommihassenden Wai Guo Ren, denn diesen Eindruck habe ich mit diversen Einheimischen geteilt die allen involvierten Parteien einen S* um den Hals wünschen. Sie besitzen die Frechheit, die Ärmsten beim Spenden zu zeigen und sich dabei genüsslich im Sessel, der mehr kostet als diese Leute im Jahr verdienen, zurück zu lehnen und die freie, klassenlose Gesellschaft zu propagieren. Etwas mehr heuchlerisches und verachtenswertes ist mir im Leben noch nicht untergekommen. Aus tiefsten Herzen wünsche ich mir, das diese Menschen eines Tages von denen die sie verhöhnen zur Rechenschaft gezogen werden.

(original von 2010)

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