3 Tage Dubai

Im schönen Flughafen wird man sogleich von Herren in weiße Roben in Empfang genommen. Hierbei handelt es sich nicht um den Ku Klux Klan, sondern vielmehr um die arabische traditionelle Tracht der Herren. Bei diesen Männern handelt es sich um die Polizei, welche beflissentlich Visas kontrolliert. Die Freundlichkeit dabei befindet sich ungefähr auf dem Niveau der SS während der Ghettoräumung von Warschau. Man wird nicht angesehen, gegrüßt oder in irgendeiner Art einer Aufmerksamkeit gewürdigt! Leider war das scheinbar kein Ausnahmefall, denn bei der Abreise zeichnete sich gleiches Bild ab.

Rose by Rotana

Guter Dinge brachten wir das hinter uns und begaben uns zum Gepäckband, als plötzlich eine infernalische Brüllerei startete: der Muezzin. Andere Länder, andere Sitten, auch im Flughafen… Die Koffer kamen gut an, also führte uns der Weg zum Taxistand. Als Schmied ist man ja nicht ganz doof, daher hatte ich mir im Internet schon herausgesucht, welche Taxigesellschaft gut ist, wie lange die Fahrt zum Hotel dauert und was diese kosten wird. Somit kamen wir auch nach 15 Minuten gut im Hotel an und auch der Check-in war schnell nach 5 Minuten erledigt. Im Zimmer dann erst einmal umgesehen. Als lokales Haus, gibt es im ganzen Hotel keinen Alkohol oder Schwein, daher herrschte in der Minibar ein wenig Ernüchterung; im wahrsten Sinne des Wortes. Das Zimmer an sich war nett, mit kleiner Küche, schönem Bett und im 33. Stock gelegen.
Als ich so auf dem Bett lag, fiel mir ein grüner Pfeil mit arabischer Beschriftung an der Decke auf. Ich dachte mir, auch in Arabien steigt Rauch auf, warum zur Hölle also machen die ihre Notausgangshinweise an die Decke?! Es kostete mich ein paar Überlegungen und einen Hinweis von einem Kollegen bevor ich herausfand: das ist schon wieder ein Mekkapfeil! Lange sollte uns das aber nicht aufhalten, somit gingen wir zu Bett um den neuen Tag frisch zu starten.

Unser Hotel war an der Hauptachse von Dubai gelegen (Scheich blablabla Avenue) und somit als zentraler Ausgangspunkt für touristische Aktivitäten ideal. Für eine Unterbringung auf der Goldmeile Jumeirah reichte die Reisekasse dann nicht mehr.
Wir machten uns also nach einem stärkenden Frühstück (ohne Speck) auf den Weg zum Burj Kalifa, seines Zeichen höchstes Gebäude der Welt. Nun muss man sich vor Augen halten, dass dort alles fährt und jedes Familienmitglied in der Regel ein eigenes Autos besitzt. Dementsprechend ist diese Stadt gebaut, mit zig Straßen aber wenigen Bürgersteigen oder Brücken. Da wir gerne alles erlaufen, machten wir uns zu Fuß auf den Weg, was sich als großer Fehler herausstellte.
Nach ca. 10 Minuten gehen hörte der Fußweg an der Hauptverkehrsstraße einfach auf… Wir versuchten einen Umweg zu finden, doch waren erfolglos. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als über die 6-spurige Stadtautobahn zu spurten, bei den Fuhrwerkparks in diesem Land ein lebensgefährliches Unterfangen. So hetzten wir also zwischen Hummern, Porsche Cayennes, 7-er BMWs und sonstigen Sportwagen hindurch, die konsequent mit 150 km/h auf uns zukamen. Leichte Parallelen zu dem Spiel Frogger kamen in mir auf. Der Weg führte uns weiter entlang der großen Straße, dem leicht sichtbaren Ziel entgegen. Suddenly a wild traffic light appeared! Angetan von diesem Relikt des kultivierten Fußgängers warteten wir auf grün. Und warteten…und warteten…und warteten…geschlagene 5 Minuten! Eigentlich könnte man auch einfach per Gesetz sagen: Fußgänger? Fuck You! Jedenfalls kamen wir nach 40 Minuten am Ziel an und wurden von einem Schild überrascht: Eintritt zur Aussichtsplattform im 1xx Stock: 420 Dinar (+/- 100 Euro), Reservierungen online unter blablabla. O.k. das war neu. Eintrittspreise ist man ja gewohnt, aber in der Höhe und nur unter Vorreservierung? Diesmal war es an uns, dass wir sagten: Fuck you!
Gleich um die Ecke steht das zweitgrößte Einkaufszentrum der Welt: die Dubai Mall. Also machten wir uns über eine vollklimatisierte Brücke auf den Weg dorthin. In mehr als 1,000 Geschäften bekommt man dort alles was das Herz begehrt, außer Bier und Speck.

Skyline

Um zu beschreiben wovon wir dort nun Zeuge wurden, muss ich kurz ausholen. Dubai als Stadt in den Emiraten ist für sein Reichtum (vom Öl) berühmt berüchtigt. Die Verschwendungssucht wird in dieser Stadt in Beton gemeißelt, sei es mit Gebäuden wie dem Burj Kalifa oder den beiden künstlichen Inseln Palm Islands. Dieser Umstand geht an den Einheimischen nicht vorbei, somit gibt es nur zwei Berufsgruppen unter den Arabern: Geschäftsleute oder staatliche Angestellte. Alle (wirklich ALLE) körperlichen Arbeiten werden von Philippinos, Indern, Pakistanis, Indonesiern oder Afrikanern durchgeführt. So kommt es, dass 40% der Einwohner Ausländer sind und die der Stadt ein tolles kosmopolitisches Flair verleihen. Dieser Umstand scheint bei den Arabern aber noch nicht angekommen zu sein. Die Gastarbeiter werden behandelt wie der letzte Dreck und das so offensichtlich, dass man als westlicher Tourist häufig beschämt ist. Wir wurden häufig Zeugen dieser Ungerechtigkeit und von der derbsten möchte ich hier erzählen.

Hotel pool

Wir befinden uns also in der Dubai Mall, die angeschlossen an ein Hotel/Service Apartment Hause namens The Address ist. Vor dem Haus werden gerade große Karossen von Indern geparkt, die arabischen Besitzer stehen daneben. Auf einmal schreit ein Einheimischer den Einparkenden an, ob er zu blöd zum fahren sei!? Offensichtlich war der Abstand zwischen den Wagen nicht zufriedenstellend. Der Angesprochene verneigt sich vor dem Araber und bittet um Entschuldigung. Dieser wird aber nicht müde ihn anzubrüllen, das er zu nichts nütze sei, er zurück in sein Land solle und das, ich zitiere: „Sprich gefälligst arabisch mit mir du Idiot, wir sind in Dubai!“. Als dann die Frau von dem Araber um die Ecke kommt ist alles aus und man macht ihn im Duett fertig. Ein Landsmann den wir später trafen und der dort vor Ort wohnt geht davon aus, dass der Delinquent durch diesen Vorfall sein Visa verloren wird und zurück nach Indien muss; weil er ein Auto zu dicht an einem anderen parkte.
Durch diesen Vorfall benommen, schlenderten wir nur ein wenig durch die Mall und machten uns alsbald auf, den gefährlichen Rückweg ins Hotel anzutreten.

Burj al Kalifa

Neben dem Hotel befand sich ein libanesisches Restaurant in dem man – umwoben vom ohrenbetäubenden Lärm der Hauptstraße aus 1001 Nacht – draußen sitzen konnte. Hier hatten wir dann unsere erste richtig positive Erfahrung, denn das Essen war gut, das Personal nett und alles lief glatt. Preislich bewegt man sich bei ca. 30 Euro für 2 Personen, für wirkliches Basisessen. Es gab Shawarma, Falafel und Salat, als Getränke frischen Apfel- und Mangosaft. Vorab reichte man einen Teller mit Gurke, Zitrone, Minze und Karotten als kleine Nascherei. Außerdem servierte man auch eingelegtes Gemüse, vergleichbar mit Senfgurken. Alles in allem sehr lecker.
Am 2. Tag sollte es in die Wüste gehen. Ein Blick in die Prospekte zeigte uns aber, dass die Preise erst bei ca. 80 Euro pro Person begannen. Da meine Frau großartig Reiern kann sobald man mit einem Auto auch nur Kurven fährt, habe ich mir gedacht, dass sparen wir uns. Stattdessen entschieden wir uns einen öffentlichen Strand in Jumeirah zu besuchen, diesmal per Taxi… Dieser Strand war noch langweiliger als der große Jahresrückblick mit Guenther Jauch im ZDF. Ein paar Palmen, keine Wellen, pisswarmes Wasser und scheinbar Domizil für alle Arbeiter. Wir waren an einem Freitag dort und wie man ja weiß, ist der Freitag in islamischen Ländern mit dem Sonntag bei uns gleichzusetzen. Es herrschte also ein Heidenbetrieb dort. Dadurch, dass dieser Strand eher für Arbeiter vorgesehen war, fielen wir dort auf wie bunte Hunde, was durchaus unangenehm sein kann. Wir entschieden uns daher den Ort schnell zu verlassen und zum Hotel zurück zu laufen. Durch seine Größe war das Gebäude leicht zu sehen, daher dauerte es gerade einmal 30 Minuten bis wir wieder dort waren.
Am letzten Tag hatten wir so ziemlich die Schnauze voll von dieser Stadt und entschieden uns die letzten Stunden am Pool zu verbringen. Andere Attraktionen wir Burj Al Arab Hotel oder die Jumeirah Flaniermeile haben wir ausfallen lassen, zu groß war die Enttäuschung.

Ein Fazit zu unserem Besuch ist schwer in Worte zu fassen. Wir sind uns allerdings einig, dass Dubai uns nicht wieder sehen wird. Die gesamte Stadt wirkt wie aus der Retorte, alles scheint sich nur um den oberflächlichen Schein zu drehen. Traditionellen Charakter oder ähnliches sucht man vergebens. Entlang der oben erwähnten Hauptstraße wurde ein ganzes Finanzzentrum mit Hochhäusern aus dem Boden gestampft, obwohl kein Bedarf vorlag. Fast alle diese Häuser sind leer! Das einzige was zählt ist zu zeigen wer man ist und was man hat, wobei beides im Irrwitz endet. Seien es die riesigen Hubraum Karossen oder modischen Details mit denen man sich schmückt. Es lässt sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei um ein wahrscheinlich sehr kurzfristiges Intermezzo von Wohlstand und Größenwahn handelt.

Mall of Dubai

Den charakterlichen Eindruck den die Einheimischen hinterlassen haben tut sein übriges. Mit viel Macht/Geld kommt viel Verantwortung, doch wer mit seinen Arbeitspferden die das Land am Leben erhalten so umgeht wie wir es dort erlebt haben, der braucht sich nicht wundern, wenn das Pferd eines Tages beim Beschlagen austritt. Mein Frau und ich sind fest davon überzeugt, dass der Zustand wie wir ihn dort gesehen haben nicht lange anhalten wird und die Emiraten eines Tages hart auf dem Boden der Realität aufschlagen werden.

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Über arsteutonicus

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