Die Registrierung in Xi’an

Wir hatten uns also dazu durchgerungen, am 9. September zu heiraten. Der Termin schien günstig, denn am 8. hat meine Schwester und am 10. hat Nicole selbst Geburtstag, somit haben wir in Zukunft 3 Tage am Stück Halligalli.

In China ist es so, dass du nur dort heiraten kannst, wo auch dein Hukou ist. Hukou ist im weitesten Sinne so etwas wie ein Melderegistereintrag. Nicole’s Hukou liegt in Xi’an, bekannt durch seine Terrakotta Armee.

Da ich noch nie in Xi’an war und auch sonst eine Ladung Urlaub gebrauchen konnte, war dies eine willkommen Abwechslung. Mit China Eastern ging es im überraschend neuen Airbus vom PVG knappe 3 Stunden nach Zentralchina. Gelandet begrüßte uns die Stadt mit ihrem typischem Charme: Regen, Dunst, Stau und Menschenmassen. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist dass es so 3 Tage weitergehen sollte und dies noch nicht der Höhepunkt war.

Im Howard Johnson (eines der noch wenig vertretenen westlichen Hotels in Xi’an) eingecheckt, trat erst einmal Ernüchterung ein. Schlechtes, altes Zimmer zu modernen Preisen. Eine kurze Beschwerde sorgte für Abhilfe, wenn auch nur marginal.

Am nächsten Morgen ging die Enttäuschung mit dem Frühstück weiter. Im Anschluss sollte es direkt zum Standesamt gehen, doch oh Graus. Kein Taxi, grottenschlechtes Hotelpersonal und Dauerregen stellten uns auf die Probe. Ein anderer Hotelgast zeigte Gnade und bot uns an uns mit zu nehmen. Gesagt, getan, meine erste positive Erfahrung in dieser Stadt.

Auf dem Amt ging es eher zweckmäßig zu. Wenn Nicole mir nicht gesagt hätte, dass es sich um ein Standesamt handelt, hätte ich gedacht wir stehen im Buero des Agrarministeriums 1980 DDR Style. Wie auch immer, außer uns war nur ein anderes Paar da, lustigerweise ein Chinese mit dt. Pass. Dann hieß es Fotos schießen, Dokumente ausfüllen und sich irgendetwas gegenseitig vorlesen. Da die Beamtin eh nichts verstanden hat, machten wir uns einen Spaß draus und so wurde unser Standesamteid nicht ganz jugendfrei. Raus aus diesem Relikt des Realsozialismus und direkt in die Suppenküche wo wir Nicole’s Eltern zum Lunch trafen (die wohnen dort). Am Nachmittag gegen 4 Uhr war dann alles vorbei und ich versuchte bei schlecht empfangenen HBO ein wenig zu entspannen.

Gegen Abend kündigte sich noch einmal Besuch an, die Tante. War ich schon immer bei Nicole bzgl. Ein-Kind-Politik skeptisch, wurden hier neue Maßstäbe gesetzt. Wenn Nicole schon mit 2 Geschwistern aufwartet, was soll Mao dann zu ihrer Tante mit 4 Kindern sagen!? Naja, es sei dazu gesagt, das sie wohl recht wohlhabend (Baumaterialien) ist und somit die Nachteile ausgleichen kann.

Die restlichen 2 Tage verbrachten wir auf der Stadtmauer und in der Altstadt. Wir sind nicht zu den Terrakottakriegern denn diese Stadt hat uns in puncto Verkehr und Menschen dermaßen enttäuscht, dass wir nicht abwarten konnten wieder zu verschwinden. Xi’an sieht uns so schnell nicht wieder, es sei denn wir müssen.

Wedding book

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Über arsteutonicus

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