Monatsarchiv: Juni 2013

Fressen, Saufen, Sterben

Essentials

Essentials

Nach nunmehr 6,5 Jahren in Shanghai ist man an einem Punkt, an dem man die Stadt gut kennt, es nur noch wenig Neues gibt und man sagen kann, es hat sich ein gewisser Alltag eingestellt. So geht es nicht nur mir, sondern vielen. Dabei ist es nicht unbedingt relevant 6+ Jahre hier zu sein, dass geht auch schon viel frueher.

Was mich in letzter Zeit immer mehr annervt, ist dieses ständige drehen um Essen und Trinken. Ich behaupte das ein Großteil des Lebens von Vielen hier sich nur darum dreht, wo man in seiner Freizeit am besten einem Wirt die Kohle in den Rachen schieben kann!? Heute Abend gehen wir zu El Willy, morgen zu M on the Bund und übermorgen zu Din Tai Fung, gefolgt von einem Cocktail bei Dr. Wine; ist ja schließlich Wochenende. Es gibt in der Tat Leute – und zwar nicht wenig – die sich stundenlang über nichts anderes unterhalten können.

Das macht sich natürlich auch im sozialen Miteinander bemerkbar. Wenn wir Freunde treffen wollen, ist die erste Frage, wo gehen wir essen? Da trifft man sich im Restaurant, frisst, säuft und danach geht jeder wieder nach Hause. Also ich kann mich ja irren, aber in Deutschland waren wir da kreativer. Da macht man mal ein stundenlanges BBQ im Garten, eine  Fahrradtour, ein Theater-/Kinobesuch und was weiß ich nicht alles. Hier ist alles irgendwie mit Fressen verbunden, fürchterlich…

Manch ein Härtefall kann sich am Sonntag schon darüber austauschen, wo man denn am kommenden Freitagabend am besten hingehen würde. Bei aller Liebe, bitte lasst mich so nicht werden…gelangweilte Expats, deren Leben sich nur um Völlerei dreht weil sonst nichts anderes am Horizont zum Leben motiviert. Man sollte meinen eine Metropole wie Shanghai hat da mehr zu bieten, vielleicht ist es auch nur Betriebsblindheit?


6 menschliche Köpfe in See gefunden

Kopfball!

 

Nun, wenn man in Deutschland 6 Köpfe in einem Koffer treibend auf einem städtischen See findet, dann heulen gleich erst mal alle Alarmglocken und die Mütter holen die Kinder rein. Nicht so in Benbu/Anhui/China. Dort hat eine Straßenreinigerin den Koffer aus dem See gefischt, doch der Inhalt war nicht ganz was sie sich vorstellte. Anstatt Schätzen fand sie 6 abgetrennte Köpfe mit diversen Schnittwunden.

Aufgrund des – jetzt kommts – ungewöhnlich starken Formaldehyd-Geruchs geht man davon aus, dass es sich um illegal entsorgte Hospitalabfälle handelt oder Versuchsobjekte einer Uni. Die Wunden stammen von chirurgischen Eingriffen wie es angehende Neurologen tun.

Also noch einmal zum mitschreiben: eine Uni oder ein Krankenhaus hat 6 abgetrennte Köpfe in einen Koffer gesteckt und ihn anschließend in einem See entsorgt um ein wenig Geld zu sparen.

Der Artikel: Kopflos sieht anders aus

Interessante Randnotiz, der Artikel wurde unter „Kurioses“ veröffentlicht…. Wie tagge ich das? Unter lustig?


Unruhen in Xinjiang mit 27 Toten

Mal wieder spitzenmässiger Journalismus auf dem SPON: 27 Tote in Xinjiang

Nachdem man jetzt bereits Al Kaida Kämpfer aus Tschetschenien und dem Irak in Syrien als unterstützungswürdig  ansieht, gilt ein mit Macheten bewaffneter Mob der über 9 Polizisten abschlachtet (plus Zivilisten die sehr wahrscheinlich Han-Chinesen gewesen sein dürften) als unterdrückte Minderheit die für ihre Rechte Eintritt. Just kommt der Beifall aus München (Weltkongress der Uiguren) und spricht von erneuter Unterdrückung des ach so armen Turk Volkes.

Niemand will den Chinesen dort einen Persilschein ausstellen, doch die Uiguren dort als Lämmer hinzustellen ist geradezu grotesk. Ich erinnere mich an die jüngsten Unruhen im Juli 2009  mit diversen erschlagene Kindern und Frauen auf den Straßen, ist halt die Religion des Friedens! Ein Todesrate von 137 Chinesen vs. 46 Uiguren sprechen da eine andere Sprache.

Zur Erinnerung (Achtung, Gewalt wird deutlich dargestellt): Riot Kill


Neuigkeiten aus China…

Der hier, ist ein Asket:

Asket

 

Einen Asketen zeichnet sein Lebensstil aus. Er untersagt sich selbst beispielsweise sämtliche Genussmittel wie Alkohol, Tabakwaren oder Drogen. Der Asket verspricht sich dadurch einen höheren Bewusstseinsstatus.

Abgesehen von dieser Lebensweise, begegnet man heutzutage diesen Leuten meistens als ganz weltliche Zeitgenossen, die von ihrem Arzt diese Maßnahmen aufgebrummt bekommen haben. Nun, so einer bin ich jetzt, zumindest für die nächsten zwei Monate. So richtig bewusst geworden ist mir das heute Morgen, als ich eine Einladung zu einer Weinverkostung am kommenden Samstag erhalten habe. Warum sollte ich da hingehen? Ich grill ja auch nicht und esse dann nur Salat.

Wer weiß wofür das gut ist. Auf Koffein verzichte ich mal nicht, obwohl dies der Entgiftung wohl das i-Tüpfelchen aufsetzen würde.  Schauen wir mal, wie sich diese Veränderungen im sozialen Leben bemerkbar machen. Ich werde jedenfalls versuchen das Ganze mit noch mehr Sport zu optimieren.

War sonst noch was? Wochenende im Sheshan Sofitel war ganz nett. Brutal voll von lokalen Familien, aber alles in allem sehr entspannend mit sogar etwas Sonne.


Timur Vermes – Er ist wieder da

Er ist wieder da

 

Nun, stellen wir uns vor Hitler erwacht im Jahr 2011 inmitten Berlins und wir haben die zweifelhafte Ehre zu erfahren, wie er die alltäglichen Dinge der Gegenwart aus seiner Sicht sieht. Genau darum dreht sich dieses Buch. Essentielle Fragen sind: kann Hitler als Komödiant lustiger sein als sein Imitat? Wie sieht der Führer das s.g. Hartz-4 TV? Was denkt der Gröfaz über den Verlauf der deutschen Grenzen des Jahres 2011?

All diese Dinge kann man in diesem Buch erfahren.  Geschrieben aus der Sicht des Blondie Streichlers, finden wir uns manchmal in endlosen Monologen wieder, die sich zwischen die eigentliche Handlung im Hier und Jetzt reihen. Diese Monologe können lustig sein, sind es aber nicht immer. Der Autor hat bei der Rhetorik tief in die Diktator Schublade für reißerische Wortwahl gegriffen, dass verleiht dem ganzen ein wenig Authentizität. Wer nicht eine gewisse Wissensbasis über das dritte Reiche sein Eigen nennt (vor allem beim Personal und deren Eigenarten), der kann sich schnell langweilen wenn der Führer über den Morphin-Abhängigen Göring ablaestert oder die verweichlichten Charakterzüge von Ribbentrop in Frage stellt.

Im Fazit ein kurzweiliges Buch das – trotz Hitler – ab und zu etwas Neues zu bieten hat. Man sieht vielleicht an manchen Stellen sich daran erinnert, wie sehr sich die Welt verändert hat und vor allem schaudert es ziemlich kalt, wenn man plötzlich für sich allein feststellt: da hat der Mann ja eigentlich recht!


Neuigkeiten in China…

Von heute an werde ich erst einmal 4 Tage Auszeit nehmen. Es gibt manchmal Dinge, die sind wichtiger als Arbeit, wenn auch diese Dinge unangenehmer sein können. Diese Dinge sind vor allem herausfordernder, wenn man sie an einem Ort erledigen muss der einem fremd ist und an dem die Kommunikation eingeschränkt ist. Nunja, wir werden das hinter uns bringen und uns mit einem kleinen Aufenthalt in einem schönen Hotel (Sofitel Sheshan) belohnen.
Je nach Ausgang unserer kleinen Aufgabe wir der Hotelaufenthalt entweder zum Feiern oder zum Planen genutzt werden. Wir hoffen natürlich auf das erst genannte, auch wenn es nur ein kleiner Schritt vorwärts wäre.

Allgemein sind 4 Tage Auszeit vielleicht mal nicht schlecht, denn die kommenden Monate werden nicht ohne sein.

In China an sich geschieht nicht viel. Ein paar Deppen haben in Sanya einen halb-verendeten Delphin am Strand für Fotos missbraucht, die Temperatur in Shanghai klettert seit 3 Tagen weit über 30C und ansonsten jammert jeder über die Teuerungsrate. Warum sollte es hier anders sein als daheim.


Nun andersherum: Chinesen werden in Frankreich attackiert

Laut Shanghai Daily und Chinasmack wurden nun in Frankreich 6 Chinesen aus rassistischen Gründen attackiert: Artikel auf Chinasmack

Nun, das Mitleid der Landsleute hält sich dabei aber in Grenzen, denn im Artikel ist explizit die Rede von Sprösslingen einflussreicher Parteikader. Da wiegt der Futterneid ein wenig schwerer als die gebeutelte Tigerseele.

Alles nicht mehr normal…


Rassistischer Angriff auf Franzosen in Shanghai (?)

Grande Aufregung um einen Franzosen, der vergangenen Montagmorgen um 4:45 Uhr vor einer einschlägigen Bar ( No. 88 )  von 7 Chinesen ordentlich eine verpuhlt bekam. Noch besser, das gibt es auf Video:

Nun, da wird natürlich schnell emotional hochtrabend debattiert. Fakt ist, die Chinesen standen bereits 20 Minuten vor der Spelunke und haben sich untereinander gestritten. Es wird vermutet der Franzmann hat eine Verflossene von denen angedockt. Fakt ist aber auch:

  1. 7 gegen 1 ist irgendwie uncool
  2. wer sich morgens um 4:45 Uhr herum treibt erhöht die Chance auf solcherlei Vorfälle & ist seltenst nüchtern
  3. auch wenn das Opfer sagt es gäbe keinen Grund, irgendwie stinkt das
  4. Grund oder nicht, so etwas gehört sich nicht
  5. weder Security noch Polizei haben Anstalten gemacht zu helfen (trotz Video)
  6. die Helden gehen ohne Strafe aus
  7. noch einmal, 7 gegen 1 ist echt mal richtig schlecht

Jetzt wird natürlich auch dramatisiert. Mit einem Auge auf die Anzahl der Ausländer in Shanghai (+/- 150,000) und der Häufigkeit solcher Vorfälle ist und bleibt Shanghai ein sicherer Hort für Ausländer. Allein die Reaktion der chinesischen Polizei zeigt einmal mehr, als Nichtchinese hast du kaum Chance dein Recht zu bekommen, sei es bei Auseinandersetzungen, Unfällen oder Betrug. In Deutschland (oder Europa) würde bei so einem Übergriff extra noch eine Strafe drauf gelegt aufgrund des fremdenfeindlichen Hintergrundes (ob existent oder nicht).

Naja, interessant zu sehen wie sich die Expat Gemeinschaft daran aufgeilt. Prinzipiell gilt, „If in Rome, do it as the Romans“ sollte man in China NICHT anwenden, denn die Römer sind hier zu Hause und haben ein beschissenes Rechtssystem auf ihrer Seite.


Playstation 4 – Bilder & Fakten

So, in den Staaten ist die Pressekonferenz von Sony auf der E3 vorbei, Zeit für eine Zusammenfassung zur PS4:

Playstation4

Playstation4

PS4 frontal

PS4 frontal

PS4 Familie

PS4 Familie

Vom Design her finde ich es jetzt nicht so schlecht, immerhin kein VHS Recorder….. Eckig scheint das neue rund zu sein.

Technisches

RAM: 8 GB GDDR5

Chip: AMD Jaguar Octa Core

Grafik: AMD Chip Radeon mit 18 Compute Units & 1,84 Tera Flop/s

Bild: 3840 x 2160 Pixel

HDD: 500GB (Basismodell)

Abwärtskompatibilität: nein (und da gibt es auch nichts mit Gaikai und Cloud zu beschönigen)

Online-Pflicht/DRM: nein (in your face Microsoft!)

Medien: Blu-Ray, DVD, CD & Cloud

Spiele: im Moment (Juni 2013) 40 Spiele in der Entwicklung, davon 12 komplett neue Titel (ergo: 28 Fortsetzungen [!?] inklusive InFamous, Gran Turismo, Killzone, Final Fantasy XV, AC IV, etc.)

Veröffentlichung: wahrscheinlich Dezember 2013

Einführungspreis: 399 Euro

Persönliches

Genau wie bei der X-Box nervt mich dieses TV, Video und Musik Gedöns unheimlich. Mit Smart TV und Streaming und pipapo hat man in der Regel bereits alles zu Hause was man hierfür benötigt, warum sollte ich mir also noch ein Gerät mit den gleichen Funktionen ins Regal stellen? Video Unlimited? Music Unlimited? Mir egal, die sollen sich mal überlegen wie das Ding heißt: PLAYstation. Naja, am Schluss wurde dann doch mehr ans Eingemachte gegangen und diverse nette Titel vorgestellt. Ganz so VIDEO-/Sociel Network-lastig wie bei dem X-Box Reveal ging es dann doch nicht zu.

Fazit für mich, ich werde wohl Sony Jünger bleiben.


Fritz Blankenhorn – …und fahr’n wir ohne Wiederkehr

…und fahr’n wir ohne Wiederkehr

 

Der Titel des Buches bezieht sich auf eine als Marschlied vertontes Gedicht von Walter Flex (Wildgänse rauschen durch die Nacht)  und erzählt werden die autobiografischen Erlebnisse des Autors zwischen 1944 & 1949, also inklusive Gefangenschaft. Der Bericht aus Sicht des damaligen Leutnant ist eher nüchtern bis fast naiv gehalten. Als Teil der Artillerie wird er an der Ostfront eingesetzt und erlebt den Einfall der roten Armee in Ost-Preußen mit.

 

Mit nur 280 Seiten im Taschenbuchformat ist es ganz übersichtlich und kurzweilig gehalten. Allzu viel Tiefengang hat diese Geschichte allerdings nicht, wobei der ein oder andere Einblick in Details ganz interessant sind. Summa summarum würde ich es als eine biografische Verarbeitung von vielen abhaken, die an manchen Stellen guten Unterhaltungswert hat. Das Rad der Weltkriegsliteratur wird damit aber nicht neu erfunden.