Shaanxi Provinz – Sanyuan pt. 2

Ein weiteres Problem ist die Umweltverschmutzung. Der Smog während unseres Aufenthaltes war atemberaubend und hat wohl zwei Gründe:

– Die Kohlekraftwerke in der benachbarten Provinz Gansu  müssen unglaubliche Ausmaße haben. Deren Rauchentwicklung macht sich hier tatsächlich bemerkbar, vor allem im Herbst und Winter.

– Die Angewohnheit auf dem Land noch mit Kohle zu heizen wirkt sich im Zusammenspiel mit den Gansu Abgasen noch negativer aus.

Hinzu kommt unzureichende Müllentsorgung bei zunehmender Konsumgesellschaft, der häufig deshalb an Ort und Stelle verbrannt wird. Ein Blick in den Kühlschrank meiner Schwiegereltern zeigte mir, das da bis auf ein paar Plastiktüten nichts irgendwie verschweißt war oder eine Supermarktverpackung aufwies. Dieser altmodische Trend weicht aber langsam der Moderne, was ein Blick in den örtlichen Kiosk bestätigte. In einer Umgebung, in der man das Abendessen ein Stunde vor dem Mahl vom eigenen Feld holt, ist das ein eklatanter Wechsel der Gewohnheiten.

Die fehlende Kanalisation ist ebenfalls sehr nachteilig. Wer abends auf der unbeleuchteten Straße ein paar Gläser Maotai zu viel hatte, der kann schnell in der Kloake landen. Ein unerträglicher Zustand im Jahr 2013.

Grab

Grab

Kohlen

Kohlen

Das alles ändert aber nichts am Charme der Umgebung. Im Prinzip ist eine Wanderung durch das kleine Dorf nicht viel anders als bspw. im Allgäu. Jeder kennt jeden und grüßt, es wird ein Schwätzchen gehalten über dies und das. Tiere überall, wer glaubt Chinesen alles mit 4 oder mehr Beinen sollte sich einmal mit den regionalen Eigenschaften vertraut machen, bei einem Land das um ein vielfaches grösser ist der Hauptteil Europas.

Eine der vielen Dinge die mir sofort auffielen waren die Gräber auf dem offenen Feld, die mit viel Prunk geschmückt wurden. Offensichtlich gibt es keine einheitliche Regelung was mit den Toten in dieser Region geschieht, so werden Verstorbene mal eben auf dem eigenen Feld verscharrt. Mutet merkwürdig an, scheint aber schon so seit Ewigkeiten zu geschehen.

Kirchenband

Kirchenband

Kirchenband 2

Kirchenband 2

Zum Thema ärztlichen Versorgung sei noch gesagt, es gibt sie, wenn auch wie zu erwarten ein wenig anders als gewohnt. Am dritten Tag plagte uns eine kleine Erkältung, weshalb wir uns zum nahen „Medizinmann“ begaben. Wie sich herausstellte, handelte es sich hierbei um einen ehemaligen Klassenkameraden meiner Frau der sage und schreibe 2 (!) Jahre Medizin studierte hatte. Nachdem er uns mit einer Stabtaschenlampe – es war abends – in den Rachen geleuchtet hatte, verpackte er 8 kleine Briefpapierbündel mit je 8 Pillen drinnen für uns in seiner Praxis (oder eher Garage). Auf die Frage ob ich nicht einen Tropf wolle, antwortete ich ablehnend. Bezahlt habe ich für die Medizin westlicher Produzenten umgerechnet 50 Cent. Was soll ich sagen, am nächsten Tag ging es mir bedeutend besser, doch leider beging ich den Fehler mir morgens gleich ein zweites Päckchen einzuwerfen. Nun, ich kann mich nur noch vage erinnern wie dieser Tag ablief, denn scheinbar war eine der Pillen wohl einen Schlaftablette.

Dennoch glaube ich, dass man zumindest mit kleineren Wehwehchen dort ganz gut aufgehoben ist. Interessant ist das Preisgefüge für die gleiche Medizin, wie wir sie auch in Deutschland nutzen.

Glashaus

Glashaus

Diese kleine Reise aufs‘ Land war nach 7 Jahren in China sehrt aufschlussreich, denn endlich konnte mir das Land mal wieder etwas Neues bieten. Solche Erfahrungen helfen das gesamte Land zu verstehen, abseits der Großstadt mit neuer Perspektive. China ist flächendeckend kein s.g. 2. Welt Land, es ist zum größten Teil noch immer 3. Welt, das kann man schön reden wie man will. In Anbetracht dessen, dass Shaanxi im Vergleich zu anderen Provinzen wie bspw. Anhui noch recht wohlhabend ist, graut es einen bei den Zuständen dort. Die Schäden die die Menschen dort der Umwelt anrichten sind irreparabel und was dabei wirklich verstörend ist scheint die Tatsache, dass es keine Alternative dazu gibt. Im Moment gibt es keine Alternative zu diesem Raubbau an der Natur als den Status Quo und genau dies ist beängstigend.

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Über arsteutonicus

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