Heinrich Böll – Die verlorene Ehre der Katharina Bluhm

…oder, wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann. Ein Böll Buch wie aus dem Musterverlag und die krasseste Abrechnung mit dem Bild Sensationsjournalismus die mir bisher untergekommen ist. Nicht ohne Grund steht im Klappentext:

„Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Kurzweilig wird die Geschichte der Frau Bluhm hier abgehandelt. Das Werk zeigt auf, wie Verleumdung und das (Zer-) Reißen von Privatpersonen in den öffentlichen Diskurs Menschen zum äußersten bringen kann. Sensationsgeilheit des Deutschen der ’70 auf ihrem Höhepunkt, zwischen Ohnesorg und Ostblockpolitik.

Der Schreibstil freilich ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Zig Personen werden einem um die Ohren geworfen, die dabei manchmal nur kurz Erwähnung finden und ein andermal wieder detailliert vorgestellt werden. Auch überschneiden sich Handlungsstränge, obwohl der Autor ausdrücklich auf zu viel Rückblenden verzichten wollte. Dennoch erschließt sich nach und nach in sukzessiver Kleinarbeit das ganze Drama der Frau Bluhm. Im Prinzip ist dies ein gedruckter Tatort, zurecht ein Klassiker.

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Über arsteutonicus

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2 responses to “Heinrich Böll – Die verlorene Ehre der Katharina Bluhm

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