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Heinz G. Konsalik – Sie waren 10

Ja, ich lese den Hausfrauen-Schwartenschreiber mit seiner lasziv ordinären Erotik. Was nämlich kaum jemand weiß, der Mann – oder sein Ghostwriter – hat erstklassige Weltkriegs Bellestrik am Beginn seiner Autorenkarriere auf das Papier gebracht. Sie waren 10, ist eines der letzten Konsalik Bücher auf meiner Liste, das sich noch mit dem Thema beschäftigt.

Plot: 1944 steht das 3. Reich vor dem Abgrund und die SU setzt zu den großen Sommeroffensiven an. Die deutsche Abwehr unter Canaris beschließt 10 deutsche Offiziere mit russischen Verflechtungen in der Familie über Moskau abzusetzen, um Stalin direkt im Kreml zu ermorden. So kühn, so dumm. Die Geschichte berichtet vom (erfundenen) Hergang, wobei diese phantasievolle Anekdote mit zahlreichen realen Begebenheiten verflochten wird. Wenn man nicht aufpasst, glaubt man fast was man da liest.

Es liest sich wie jeder Weltkriegs Konsalik (Die Rollbahn, Strafbatallion 999, usw.) einfach, über Strecken spannend und als Buch simpel unterhaltend. Konsalik hat sich nicht auf die Fahne geschrieben, gänzlich neue Blickwinkel aufzuzeigen, sondern siedelt eine Agentengeschichte wie zufällig in den Wirren der kriegsmüden Sowjetunion an. Hierbei bedient er sich den altbekannten Stilmitteln wie subtiler Gewaltdarstellung, leichter Hausfrauenerotik und heroischer Landserromantik. Alles drei kombiniert wird wohl jeder Literat als Beleidigung ansehen, ich allerdings finde es unterhaltend, sodass es mir schwerfällt die Schwarte mit ihren annähernd 500 Seiten am Abend aus der Hand zu legen, um ein wenig Schlaf zu finden. Einfache Unterhaltung eben, dass was ich zum Tagesende brauche.

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F. John-Ferrer – Die Versprengten

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Nervenaufreibendes, abenteuerliches und kurzweiliges Buch das die Zeit von 2 versprengten Landsern in Polen abhandelt. Nichts weltbewegendes, aber durchaus eine lesenswerte Geschichte im Rahmen des 2. Weltkrieges. Ein empfehlenswertes Werk für zwischendurch, aber mittlerweile nicht mehr so einfach zu beziehen.


Karl Knoblauch – Dem Ende entgegen

Knoblauch

 

Selten war ich so hin und her gerissen, wie bei diesem Buch. Der erste Teil, in dem der Autor noch bei der Luftwaffe ist, war bereits beeindruckend. Die kurzweiligen Tagebucheinträge geben einen ausgezeichneten Einblick in den Alltag der Feindflieger während der Anfangsphase des 2. WK.

Das zweite Buch handelt von der Endphase des Krieges. Knoblauch findet sich nach dem Abschuss seines Flugzeuges beim Heer an der Ostfront wieder, wo er in den äußersten Verteidigungslinien Ostpreußens eingreift. Das Buch hat eine sehr befremdlich Mischung an Eindrücken, die unterschiedlichste Emotionen auslöst. Kriegsromantik mit dem schieren Horror der leidenden Zivilbevölkerung ergeben einen Mischung die nur schwer zu verdauen ist. Der Tagebuchstil verstärkt den Eindruck noch, schließlich handelt es sich um reale Erlebnisse die ein Mensch mitmachte, keine Fiktion.

Prinzipiell ist der 2. Teil unglaublich härter als noch der 1. Hier wird nicht aus der Perspektive des Bomberpiloten erzählt, der aus dem Off den Tod in den Städten ablädt, sondern aktiv am Geschehen teilnimmt und mit den Konsequenzen seines Tuns konfrontiert wird. Die Erzählung ist dabei sachlich wie die Bilanz einer AG, was dem Leseerlebnis eine gewisse Kaltschnäuzigkeit verleiht, die einem erst wirklich bewusst wird, wenn man das Buch geschlossen hat um sich zur Ruhe zu betten. Es wird kaum einen etablierten Historiker geben, der in der Lage ist, die Schrecken des Krieges so zu vermitteln, wie es ein Veteran vermag.