Monatsarchiv: November 2013

China vs. USA vs. Japan vs. Südkorea vs. Philippinen vs. Taiwan vs. Vietnam

Man könnte glauben, der 3. Weltkrieg steht vor der Tür. Der Ami fliegt B52 Bomber durch die von China errichtete neue Flugverbotszone über den Diaoyu / Senkaku Inseln, die Japaner ziehen nach mit eigenen Fliegern, China reagiert mit einem Flugzeugträger (haben ja nur einen) vor Taiwan, gefolgt von einem Flug der Südkoreaner über den Inseln. Heute morgen dann, Matchball China: Kampfflugzeuge über den Inseln.

Kamikaze!

Es wäre natürlich äußerst suboptimal, wenn ausgerechnet jetzt der 3. Weltkrieg ausbricht, die PS4 kommt nämlich auf den Markt. Glaubt man dem Spiegel, steht das Ende aller Tage vor der Tür, dort vergleicht man nämlich schon Truppenstärken im Pazifikraum. Klar, „Armageddon!!!“ verkauft sich als Schlagzeile ja auch besser als „Langweilige Säbelrasselei über Felshaufen„. Gut, dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass es weniger um den Steinhaufen als vielmehr die Fische drumherum und die Bodenschätze unten drunter geht. Außerdem ist das ein riesiges Prinzip involviert, nämlich die Historie der Japaner vs. China. Taiwan, Südkorea, die Philippinen und auch Vietnam können wir da mal außen vor lassen, die haben genug mit sich selbst zu tun und sind rein quantitativ/technisch gar nicht in der Lage dem Chinamann vors‘ Knie zu treten.

China aber will seinen Teil vom Kuchen als Weltmotor. Noch wichtiger dabei ist, Japan zu zeigen, dass die Zeit der japanischen Vormacht in Ostasien vorbei ist. Ich hoffe nur, dass nicht wie zu Beginn des Jahres hier wieder Pogromstimmung aufkommt und die kaputten Kommunistenlehrlinge anfangen japanische Einrichtungen zu attackieren.

Der Nippon Mann an sich macht sich auch keine Freunde, wenn er der Federführung vom Anheizer Abe folgt. Der Mann ist wirklich gefährlich und ein Populist sondergleichen.

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Kyoto & Osaka in Japan – pt. 6 und Fazit

Nach dem eher mäßigen ersten Tag in Osaka, sollte der 2. nicht viel besser werden. Mangels Masse an Zielen, entschieden wir uns nur ein paar Malls anzusehen, unter anderem die im Hauptbahnhof. Da gab es dann tatsächlich noch einmal etwas was uns staunen ließ.  In den Untergeschossen gibt es diverse Fressmeilen, die an Umfang und Auswahl wohl kaum zu übertreffen sind. Auch viele deutsche Unternehmen waren dort vertreten, hauptsächlich im Dessert/Kuchen Bereich, aber auch Paul Boccuse hatte seinen Delikatessenstand dort aufgeschlagen. Es gab in etwa alles was man sich vorstellen kann, gegen entsprechende Münze selbstverständlich. Vom Roast Beef hin zu Tuna Sashimi direkt aus dem ganzen (Fisch) geschnitten, von frittierten Riesengarnelen (Tempura) bis zur Schwarzwälder Kirschtorte, einfach alles! Haben uns dann auch mal schnell einen Muschelsalat und marinierten Tintenfisch mitgenommen.

Supermarkt

Supermarkt

So gingen auch die Stunden ins Land und nachdem wir wieder am frühen Nachmittag im Hotel waren, entschieden wir uns doch einmal den Spa Bereich zu besuchen, trotz extra Bezahlung. Nach dem Schwimmen, begab ich mich in das Onsen. Zahlreiche splitternackte Japaner hatten sich bereits eingefunden, denn dies ist ein beliebter Zeitvertreib nach der Arbeit. Zwischen den ganzen Nackedeis schwirrten auch Masseusen und Putzfrauen herum, Berührungsängste gibt es scheinbar keine. Es bleibt zu sagen, dass ich hier mit meinen Tätowierungen keine Probleme hatte, während ich in einem öffentlichen Onsen evtl. nicht hätte eintreten dürfen. Tätowierungen werden noch immer mit der Yakuza assoziiert, somit wird mit Schildern darauf hingewiesen, dass Tätowierte zu Onsen keinen Zutritt haben.

Das Onsen besteht aus einer (banalen) Sauna, einem heißen Becken, einem kalten Becken, einem Ruheraum, einem Körperpflegeraum und Massage. Geredet wird darin nur selten, anders als bei uns. Interessant ist die Zusammensetzung, denn da kam z. B. der Chef mit seinem Assistenten in die Sauna. Im Ruheraum haben die alten Säcke auch keine Probleme sich vor allen die Nuttenanzeigen in der Zeitung anzusehen. Alles schon ein wenig bizarr, aber wohltuend.

Wie ich später erfahren durfte, hatte die Damenseite zwar eine Sauna inne, den Rest allerdings nicht. Warum musste also meine liebe Frau das gleiche bezahlen?

Im Anschluss entschieden wir uns noch einmal wie die Japaner zu leben. Vorher ging es aber noch mal in die Lounge zum „lustig“ werden. Danach wieder ab ins Amüsierviertel, wo noch ein paar Bilder geschossen wurden. Die eingangs erwähnten Männer in Anzügen fanden das teilweise nicht so gut, was Nicole nicht daran hinderte, neben ihnen einen 500 Yen Apfel zu kaufen (3 Euro)! Obendrauf gab es 5 Mandarinen umsonst, immerhin. Gleich um die Ecke war ein großer Supermarkt. Dieser Markt bestach durch seine Sauberkeit und seine frisches Angebot. Im Eingangsbereich gab es eine lange Theke mit Mikrowellen, wo man seine gekauften Lunchboxen aufwärmen konnte. Also haben wir uns ein wenig im Markt eingedeckt, uns dort hingesetzt und zu Abend gegen. Was soll ich sagen? Sogar dieses Supermarkt Essen war ausgezeichnet, wirklich Wahnsinn… Ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass in dieser Essensecke alles sauber, geordnet und tadellos war; in einem SUPERMARKT!

3 Euro Apfel

3 Euro Apfel

Schweinekoch!

Schweinekoch!

Damit beschlossen wir unseren Tag, am nächsten Tag um Elf Uhr sollte uns der Zug zurück zum Kansai Airport bringen, wo es mit China Eastern zurückging. Der Checkout, die Zugfahrt, der Check-in, alles ohne Probleme, lediglich der Rückflug war etwas holprig, da wir in die Höhenwinde das Taifuns kamen, der gerade zuvor die Philippinen verwüstet hatte. Apropos, unser ursprüngliches Urlaubsziel was Cebu auf den Philippinen, Glück gehabt würde ich sagen.

 Nun, was hat uns Japan gelehrt? Hauptsächlich haben wir gesehen, dass in 1 ½ Stunden Flugzeit eine ganz andere Welt wartet, als man sie von China, Vietnam, Kambodscha usw. kennt.  Der erste Eindruck nach der Landung: wie in Deutschland, nur mit vielen Asiaten. Klar änderte sich das nach einer Weile und ich muss sagen, manches machen sie bedeutend besser als wir. Auch sind wir zu dem Schluss gekommen, solange es noch Menschen gibt die so mit der Umwelt umgehen wie der Japaner, dann ist die Erde noch nicht verloren.

Der Charakter der Japaner ist allerdings auch gewöhnungsbedürftig und da liegt einiges im Argen. Sei es die grenzwertige Einstellung zur Sexualität, die Stellung der Frau, der wiedererwachte Nationalismus gefördert durch den neuen Premier Abe oder die aufgesetzte „Teufel-komm-raus“ Höflichkeit. Auch die Jugend hat scheinbar ihre Herausforderungen, so wurden wir einmal Züge wie eine Klasse sich offensichtlich über Behinderte lustig machten und auch das unsägliche Mackerverhalten haben wir hier beobachten können.

Fest steht, dass wir wieder kommen werden, dann jedoch eher im Norden (Tokio, Hokkaido). Preislich hält es sich wider Erwarten wirklich in Grenzen, wenn man nicht unbedingt über die Stränge schlägt. Ich würde für 2 Personen von China aus mit 8 Tagen Aufenthalt ca. 2,800 Euro veranschlagen, ein Preis den man bspw. in Shanghai, Singapur oder Hong Kong auf jeden Fall auch so nennen kann.

Die Übernachtungen in einem traditionellen Ryokan waren eine einmalige Erfahrung, sind aber nicht für alle ratsam. Ich denke im fortgeschrittenen Alter und mit Kindern ist die Art der Unterbringung ungeeignet. Interessanterweise sind die Preise für solche Etablissements ja auch signifikant höher als in einem richtigen Hotel.

Friedhof

Stadtfriedhof

Maulwürfe überall!

Maulwürfe überall!

Für die Gegend Kansai bleibt zu sagen, dass Osaka – wenn überhaupt – an einem Tag gesehen werden kann. Im Nachhinein würde ich eher empfehlen, sich noch Kobe und Nara anzusehen. Kyoto ist das absolute Highlight dort und obligatorisch.

Neben der gesamten Erfahrung als Solche, war das Essen noch ein weiterer Punkt den wir nicht so schnell vergessen werden. Ich habe nie verstanden, wie Leute nur wegen Essen reisen können, doch diesen Standpunkt muss ich wohl revidieren. Mit wie viel Sorgfalt und Zeitaufwand dort gekocht wird, gibt es nicht noch einmal. Überhaupt dreht sich so viel im Alltag um Essen, so hatten wir das Gefühl, bei jedem Einschalten des TVs nur Kochshows zu sehen.

 Es ist ein merkwürdiges Völkchen dort auf diesen Inseln, doch allemal eine Reise wert.


Kyoto & Osaka in Japan – pt. 5

Frisch ausgeruht führte uns der  erste Weg in die Lounge zum Frühstück.  Die Auswahl war hier ein wenig geringer als im Hauptraum, dafür hatte man seine Ruhe. Es gibt englische Zeitungen und ansonsten war da wirklich nicht viel los. Nach obligatorischen Würstchen mit Hash Brownies (Roesties) ging es zum ersten Mal wieder zum Sport, was nach vierwöchiger Zwangspause wirklich ungewohnt war. Hier machte ich meine erste intensive Begegnung mit einem Crosstrainer, durchaus ein Gerät das manchmal anstelle des Laufbandes herhalten darf. Der Rhythmus macht mir Spaß.

Osaka Amerika Mura

Osaka Amerika Mura

Osaka Amerika Mura Straße

Osaka Amerika Mura Straße

Der Blick auf die Stadtkarte zeigte uns leider nur eine sehr begrenzte Auswahl an interessanten Zielen in der Innenstadt. Die meisten Besucher Osakas besuchen die Universal Studios oder das Aquarium, beides nicht wirklich unsere Favoriten. Wir entschieden uns also zu einem Besuch von „Amerika Mura“, ein Stadtteil der sich durch amerikanische Geschäfte, trendige Restaurants und abgedrehte Einwohner auszeichnet. Wieder entschieden wir uns zu laufen, was uns 1 Stunde kostete bis wir die offensichtlichen Häuserzeilen sahen. Nun was soll ich sagen, äußerst unspektakulär das Ganze. Es hat mich ein wenig ans Schanzenviertel in Hamburg erinnert, allerdings mit einer oberflächlichen konsumorientierten Atmosphäre. Das interessanteste waren da noch ein Musikladen mit unglaublicher Vinyl Auswahl und die zahlreichen s.g. Love Hotels. Der Rest war Konsum in Reinform, wie überall in dieser Stadt.

Das Mittagessen in der Gegend brachte aber wieder etwas Neues mit sich. Wieder betraten wir einen Suppenshop, der seine Gerichte auf Fotos vor der Tür offerierte. Einmal drinnen, wurden wir freundlich auf einen Automaten in der Ecke hingewiesen. Bei diesem Automaten musste man auswählen und bezahlen; den Bon den man dafür bekommt, gibt man dem Kellner. Nun, in einem Restaurant mit 100 Sitzen, ist das bestimmt eine  unglaubliche Zeitersparnis, aber das Restaurant in dem wir waren, hat gerade einmal 25 Sitzplätze die allesamt leer waren als wir dort aßen. Interessant war es allemal, der Nutzeneffekt diskutabel.

Osaka Suppenautomat...

Osaka Suppenautomat…

Wir verließen dieses Trauerspiel an Attraktion und schlenderten zurück zum Hotel. Unterwegs ist meine liebe Frau noch in eine Mall, die eine seltene und trendige Marke beherbergt. Diese Mall attackierte alle meine Sinne und es schien, als ob sie es darauf abgesehen hatte mir in allen Organen Krebs zu verursachen. Es war laut, grell, hässlich, teuer! Warum der Ami seinen  Kriegsgefangenen nach Guantanamo geschickt hat ist mir ein Rätsel, ein Tag als Verkäufer in dem Teil und jeder Taliban hätte zugegeben kleine Kinder zu essen. Mit der UNO hätten sie dann auch keine Probleme mehr.

Osaka Love Hotel

Osaka Love Hotel – 1 Stunde 12 Euro

Zurück im Hotel hatten wir noch beträchtlich Zeit, jedoch keine Ziele mehr. Der Fernseher spuckte übrigens gerade einmal zwei englische Nachrichtensender aus (CNN und BBC), der Rest war ausnahmslos japanisch. Ebenfalls ein Unding für ein intl. Hotel der IHG Kette. Nach kleiner Pause gingen wir wieder zur Happy Hour in die Lounge, dieses Mal allerdings nicht um dort zu essen, sondern nur um „lustig“ zu werden. Nach einer Stunde Cocktail mit Kniffel auf dem Tablet, sind wir wieder raus zur Amüsiermeile ein Restaurant finden. Die Auswahl war schier erschlagend, doch als ich den Holzkohle Grill eines Yakitori Restaurants im Schaufenster sah, war die Wahl gefallen. Noch einmal haben wir alles Mögliche am Spieß gegessen und es war wieder erstklassig!

Trotz relativ ereignislosem Tag fielen wir wie die Steine ins gemachte Bett.


Kyoto & Osaka in Japan – pt. 4

Am Morgen verließen wir also unser Ryokan gen Osaka und machten uns wiederum zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof. Der Ticketkauf für den Bummelzug war dieses Mal nicht ganz so einfach, also mussten wir an einen Schalter, wo das Thema in 2 Minuten erledigt war. Ein Ticket für 6 Euro pro Person sollte uns in 60 Minuten nach Shin-Osaka bringen, einer der beiden Hauptbahnhöfe. Dieser Zug war dann auch entsprechend voller, da er auch von Pendlern genutzt wurde.

In Shin-Osaka verließen wir den Zug und machten uns zum Taxistand auf. Eine zehnminütige Fahrt brachte uns für 12 Euro zum Hotel, dem Crowne Plaza ANA Osaka im Stadtteil Umeda. Später erfuhren wir, dass der Hauptbahnhof Osaka gleich um die Ecke liegt und man hätte bequem zu Fuß das Hotel erreichen können. Es ist mir ein Rätsel warum auf der Hotel Website Shin Osaka als Bahnhof angegeben wird, zumal unser Zug ohnehin beide angefahren hätte.

Osaka Hotel Ausblick

Osaka Hotel Ausblick

Im Hotel Ernüchterung. Ein 1A  Zustand konnte nicht über den fehlenden Service hinwegtäuschen. Keine Bell Boys die mit Koffern helfen, kein Hinweise auf Executive Check-in bei Ankunft, generelle Kühle des Personals um das Wort Arroganz nicht zu benutzen. Kurz: das Gegenteil von Kyoto.

Der Fluss Yodo in Osaka

Der Fluss Yodo in Osaka

Unser Zimmer auf dem Executive Floor im 21. Stock war nett. Sehr sauber mit einem neu wirkenden Eindruck und von der Größe her mehr als erwartet.  Es war noch früh am Tag, also kundschafteten wir zunächst das Hotel aus. Das Fitnessstudio ist zweckmäßig und auch ein Spa samt Pool ist vorhanden. Leider muss man aber selbst als Hotelgast noch einmal 1,500 Yen (10 Euro) bezahlen, wenn man dies nutzen möchte. Meines Erachtens nach ein Unding, selbst wenn das Spa ein Onsen (traditionelles japanische Bad samt Ruheraum, Massage und Sauna) innehat. Ein großes Manko.

In der Executive Lounge herrscht eine Atmosphäre wie im OP, denn in puncto Sterilität steht diese in nichts nach. Um dem ganzen einen drauf zu setzen war der Service unter aller Sau, bis auf eine Ausnahme. Selbst in China achtet man besonders in diesem Bereich darauf, dass Kompetenz herrscht. Beim Angebot gab es auch Abstriche, so war die Essensauswahl zur „Teatime“ und am Abend zur „Happy Hour“ mehr als spärlich. Alkohol nur zur Happy Hour, während man sich bei der Konkurrenz den lieben langen Tag abschießen darf. Nicht unbedingt nötig, doch als Alternative zu einem Regentag willkommen.

Nach diesen ernüchternden Erkenntnissen machten wir uns auf das Umfeld zu erkunden. Wie es der Zufall will, ist das Hotel direkt neben dem Amüsierviertel. Eine Hostessbar (hat nix mit Puff zu tun [meistens]) reihte sich an die nächste, Restaurants in rauen Mengen und zwischendrin kleinere Läden in denen man von Bier, hin zu Mangas und schließlich noch Dildos alles kaufen kann. Besonders zugesagt hat uns das Angebot dort leider nicht, sind wir schließlich keine s.g. Partygänger. Selbst wenn wir in Betracht gezogen hätten so ein Etablissement zu besuchen, die Preise sind doch ganz erheblich. Neben Eintritt gibt es noch Mindestverzehr und irgendeine Pauschale aus der ich nicht schlau wurde. Summa Summarum habe ich ausgerechnet, dass man für einen Tisch mindestens 100 Euro ausgeben muss, wenn man überhaupt reinkommt.

Osaka Amuesierviertel

Osaka Amuesierviertel

Osaka Clubs

Osaka Clubs

Interessant sind am Abend auch die „Verkäufer“ der einzelnen Bars. Diese sind entweder Herren in schwarzen Anzügen oder ältere Damen in Kimonos. Diese versuchen dann die Bürohengste die im Rudel nach 20 Uhr durch die Straßen ziehen, in ihre Häuser zu locken. Eine schmuddelige oder gar anrüchige Atmosphäre wie bspw. in Hamburg kommt da aber überhaupt nicht auf. Interessant ist zu sehen, dass ausschließlich Männer da unterwegs sind, es sei denn eine Hostess läuft auf dem Weg zur Arbeit an dir vorbei.

Wir sind dann zurück ins Hotel und haben uns am übersichtlichen Lounge Buffet satt gefuttert, gepaart mit  2 Stunden Feuer frei Alkoholika. Die erste Nacht in einem Bett nach 5 Nächten auf dem Futon war spektakulär!


Kyoto & Osaka in Japan – pt. 3

Der nächste und dritte Tag sollte uns noch einmal ausgezeichnetes Wanderwetter bescheren. Auf dem Programm standen die alte Stadtfestung und der Kaiserpalast, beides Ziele die diesmal nicht in der gleichen Richtung lagen. Wie sich herausstellte, war beides sehr schnell erlaufen. Nach 30 Minuten erreichten wir die alte Festung und nach einem Unkostenbeitrag von 3 Euro auch Zugang. Dort ging es regelrecht bunt zu. Auch am dortigen Eingang muss jeder seine Schuhe ausziehen, bevor man die alten Soldaten und Kaisergemächer betreten darf. Was man in dem alten Holzbau zu sehen bekommt ist aber eher unspektakulär, daher genossen wir mehr die Außenanlagen und die mächtige Mauer die das Gebäude umgibt. Nach einer knappen Stunde war dann auch das vom Tisch, somit machten wir uns auf den Weg zum Kaiserpalast. Zwischendurch noch eine Ramensuppe, lecker…

Kyoto Festung Garten

Kyoto Festung Garten

Huepf!

Hüpfe!

Mal wieder ein Schrein!

Mal wieder ein Schrein!

Wed zum Tempel

Weg zum Tempel

Super Suppe

Super Suppe

Der Palast ist in einem weiträumigen Park angelegt, der mich ein wenig an die Herrenhäuser Gärten erinnert. Auf jeden Fall extrem ruhig und entspannend! In der Mitte angekommen, wird man erst einmal von der unglaublich langen Mauer erschlagen. Wie sich herausstellte, kann man da nicht einfach so rein, sondern nur nach Terminabsprache unter Vorlage des Passes. Da der Tenno (Kaiser) hier tatsächlich manchmal noch auftaucht nicht verwunderlich, zumal man im Park auch bewaffnete Polizisten sieht.

Kaiserpalastmauer

Kaiserpalastmauer

Mana!!!

Mana!!!

Den Teil haben wir dann also ausfallen lassen und uns wieder auf den Weg zum Fluss durch das Universitätsviertel gemacht. An einem kleinen Kiosk holten wir uns ein Bier womit wir uns zu den jungen Leuten an der Promenade gesellten. Es war erst 13 Uhr und somit früh am Tag, wir überlegten also, wo könnte man noch hin? Die folgende Entscheidung sollte uns den längsten Tag mit der längsten Wanderung einbrocken. Das Ziel sollte Ginkaku-Ji sein, ein weiterer Schrein und Aussichtspunkt. Wir überquerten den Fluss um den leicht ansteigenden Weg in die Hügellandschaft einzuschlagen. Nach knappen 2 Stunden erreichten wir die Anlage, welche die Strapaze wirklich wert war. Ein kleiner Bonzaigarten, ein Pfad durch den Wald, ein Teich, alles wie man sich einen japanischen  Garten eigentlich vorstellt. Die Umgebung war genauso touristisch geprägt wie das gestrige Ziel.

Ginkaku Ausblick

Ginkaku Ausblick

Ginkaku Teich

Ginkaku Teich

Von dort machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel, natürlich wieder entlang des Flusses. Der Rückweg sollte uns fast 3 Stunden kosten und zwischenzeitlich wollte meine liebe Frau fast aufgeben und ein Taxi nehmen. Auch ich hatte ziemlich die Faxen dicke, doch wir bissen die Zähne zusammen. Laut Google Maps waren es ca. 26 km pure Wegstrecke plus Rumlatscherei an den Zielen. Wir haben geschlafen wie die Murmeltiere, sogar zum Abendessen gab es nur einen Burger.

Der letzte Tag war als Einkaufstag bestimmt, weil zum einen noch ein paar günstige Dinge wollten und zum anderen das Wetter nachließ. Wir liefen also im Regen die 15 Minuten zur nächsten Mall und was uns da geboten wurde spottete jeglicher Beschreibung. Wir dachten China hätte schon grobe Einkaufszentren, doch die Auswahl und Menge dort war schlicht erschlagend. Speziell Kosmetik als auch elektronische Geräte sind unglaublich günstig dort. Wir deckten uns also mit zwei neuen Kopfhörern von Denon, eine G-Shock und diversen Kosmetiksachen für meine Frau ein. Außerdem erstand sie noch einen kurz geschnittenen Kimono als Andenken. Eine PS4 gab es leider auch hier noch nicht…

PS4

PS4

Nishiki Market

Nishiki Markt

Nishiki Markt II

Nishiki Markt II

Nishiki Markt

Nishiki Markt III

Beute!

Beute!

 Den Rest des Tages wanderten wir ziellos durch die Stadt, aßen hier, tranken dort, bis es Abend wurde und wir nochmal in das eingangs beschriebene Yakitori Restaurant einkehrten. Danach ab ins Hotel packen, denn am nächsten Morgen ging es nach Osaka, diesmal mit dem Bummelzug!


Bad Shanghai

Bekannt für seine hohe Luftgüte, bietet der Luftkurort für jeden Gelegenheit sich mal so richtig abzuhusten:

AQI

AQI

Für Leute die gerne sehen was sie atmen, der (Alb) Traum…


Kyoto & Osaka in Japan – pt. 2

Nach einer ausgezeichneten Nacht, haben wir uns erst einmal über das Frühstück hergemacht. Dieses musste einen Tag vorher bestellt als auch bezahlt werden. Nun wollten wir die Stadt erkunden, doch leider regnete es in Strömen. So war es nur schwer meine liebe Gattin von den Vorzügen zu überzeugen, doch als sich die Wolken verzogen hatten, gab Kyoto seinen Charme frei. Der erste Weg brachte uns dann in ein kleines Suppenrestaurant, wie es sie zu hunderten dort gibt.

Für umgerechnet 6 Euro pro Person hatten wir eine ausgezeichnete Udon Suppe, wie  wir sie noch viel haben sollten. Das Restaurant an sich war durch und durch traditionell, man musste die Schuhe ausziehen und wieder saß man auf dem Boden. Augenscheinlich handelt es sich dabei um einen Familienbetrieb, serviert wurde nur von einer Dame in den 50‘ welche ein atemberaubendes Tempo anschlug.

Udon Restaurant

Udon Restaurant

Udon Küche

Udon Küche

Am Boden

Am Boden

Mit Hilfe des Lonely Planet Kyoto Führers orientierten wir uns Richtung Kamo Fluss, der die Stadt in zwei Teile teilt. Das grobe Ziel war der Stadtteil  Gion, bekannt für seine traditionellen Geschäfte aber auch als Amüsiermeile. Da die Straßen Schachbrettartig ausgerichtet sind, kann man sich in Kyoto quasi gar nicht verlaufen. Nach 45 Minuten Marsch erreichten wir den Fluss, der unglaublich sauber scheint. Es ist ein leichtes die ca. 50cm langen Fische darin zu sehen.

Udon Restaurant Fassade

Udon Restaurant Fassade

Gion

Gion

Gion Szene

Gion Szene

Keine Spannungen zu sehen...

Keine Spannungen zu sehen…

Ein wenig weiter nördlich erreichten wir dann Gion, das überraschend unspektakulär ist. Außer ein paar Geschäften, einem zentralen Schrein und ein paar charmanten Gassen gibt es nicht viel zu sehen.  Zeitweise läuft einem hier mal eine Geisha über den Weg, welche man aber lieber diskret behandelt. Wir machten uns also wieder auf die andere Flussseite zur Seiko Passage. Wie der Name sagt, eine überdachte Einkaufsmeile die im Nishiki Markt endet. Hier kann man alles an japanischen Essen finden, was man sich nur vorstellen kann; vom Fisch bis zur Seegurke. Dort in der Nähe findet man auch den obligatorischen Starbucks, in dessen Nachbarschaft sich ein bekanntes Sushi Restaurant befindet. Zusammen mit etwas Sake aßen wir also dort zu Abend, es war fantastisch! Todmüde ging es danach zurück ins Hotel, wo wir nach einem langen, interessanten Tag an der Luft ins “Futon“ fielen.

Sushi Menü

Sushi Menü

Sushi Restaurant

Sushi Restaurant

Ziel des folgenden Tages war der Kiyomizu Tempel auf den Hängen über Kyoto. Von diesem sehr bekannten Touristenziel hat man einen fantastischen Blick über die Stadt und jetzt im Herbst, spielten die Bäume dort alle erdenklichen Farben wieder. Der Weg war grob gesehen der gleichen wie am Tag zuvor, nur etwas weiter. Circa 2 Stunden brauchten wir um zu Fuß dorthin zu gelangen. Schon am Fuß des Berges wurde es voller und die Straße wurde von allerlei Nippesverkäufern gesäumt. Die Besucher kamen aus aller Herren Länder, wobei mir auffiel, das kaum Deutsche darunter waren; bzw. gar keine. Die stärksten Gruppen müssen wohl Italiener und Franzosen gewesen sein.

Kleine Kimonos

Kleine Kimonos

Kiyomizu Schrein

Kiyomizu Schrein

Kiyomizu

Kiyomizu

Kiyomizu Szene

Kiyomizu Szene

Der Tempel an sich ist wunderschön. Am unteren Ende gibt es eine Art Heilbrunnen, aus denen alle trinken. Uns fielen viele Besucherinnen im Kimono auf, doch wie sich herausstellte, waren die meisten davon Chinesen. Nach etwa 45 Minuten waren wir dann aber auch dort fertig und machten uns auf, die Anlage nach Nordosten Richtung „Philosophenweg“ zu verlassen.  Im Prinzip geht man dort von einem Schrein/Tempel zum nächsten, so dicht sind diese Dort in den Wald gebaut worden. Bei dem Wetter das wir hatten, ein tolles Erlebnis. Zum Mittag gab es eine ausgezeichnete Soba Suppe.

Kiyomizu Brunnen

Kiyomizu Brunnen

Kiyomizu Ausblick

Kiyomizu Ausblick

Gegen 16 Uhr brachen wir langsam Richtung Hotel auf, wobei uns wieder der Fluss als Orientierung half. Zwischendurch kehrten wir in einem kleinen Yakitori Restaurant ein, wo es diverses auf Spießen ueber Holzkohle gegrillt gab. Interessanterweise machen diese Restaurants i.d.R. erst um 18 Uhr auf, darauf sollte man sich einstellen. Ein wenig heißer Sake sorgte für die nötige Bettschwere. Auch kulinarisch gesehen war dieser Tag wieder ein voller Erfolg.

Am Kyoto Kamo Fluss

Am Kyoto Kamo Fluss


Kyoto & Osaka in Japan – pt. 1

Der nächste Trip sollte und nach Osaka und Kyoto in Japan bringen. Es ging von Xian mit China Eastern in 1,50 Stunden nach Shanghai-Pudong und von dort nach 2 Stunden Aufenthalt weiter mit Shanghai Airlines nach Osaka-Kansai, was 2 Stunden dauern sollte. Vom Flughafen aus, der interessanterweise auf eine künstliche Insel gebaut wurde, ging es mit dem Haruka Express in 75 Minuten nach Kyoto. Zwar handelt es sich hierbei nicht um den bekannten Shinkansen, aber trotzdem war das recht schnell. Zur Landung sei noch zu erwähnen, dass einem schon anders wird wenn man nachts dort ankommt. Die Landebahn beginnt direkt am Ende der Insel und man hat das Gefühl, man würde jeden Moment Notwassern weil es stockduster unter einem ist.

Flieger

Flieger

Sakura Ryokan Foyer

Sakura Ryokan Foyer

Der Ticketkauf und die Reise waren simpel, überall war Englisch als auch hilfsbereites Personal vorhanden. Somit war der erste Eindruck schon einmal sehr positiv. In Kyoto angekommen, sieht man erst einmal einen Bahnhof wie überall auf der Welt. Vorab schlau gelesen, wussten wir wohin wir mussten und konnten die 15 Minuten zum s.g. Ryokan (traditionelles Gasthaus [Pension]) zu Fuß zurücklegen. Einmal haben wir uns kurz verfranzt, doch auch da waren Passanten hilfreich zur Stelle.

Seitenstraße

Seitenstraße

Das Hotel ist in einer kleinen typischen Seitenstraße und verfügt über 32 Zimmer. Man kann zwischen westlich und traditionell wählen, wobei wir uns für traditionell entschieden. Dies bedeutet, dass kein Bett vorhanden ist, sondern nachts Futons aus dem Schrank geholt werden. Im Prinzip spielt sich alles auf dem Boden ab, was bei der Sauberkeit kein Problem darstellt. Die Wände waren wie man es kennt aus Papier, das Dekor alles Holz und ein kleines Fenster gab die Sicht auf einen Steingarten frei. Absolut authentisch, eine Kritik hier: Kyomachiya Ryokan Sakura!

Obwohl die Entfernung nicht allzu groß war, merkten wir die 2 Flüge in den Knochen, somit ging es ab ins Bett bzw. ab in den kuscheligen Futon. Zeitunterschied zu China ist übrigens +1 Stunde.

Berühmte japanische Toilette

Berühmte japanische Toilette

Der Esel am Bahnhof

Der Esel am Bahnhof


Shaanxi Provinz – Sanyuan pt. 2

Ein weiteres Problem ist die Umweltverschmutzung. Der Smog während unseres Aufenthaltes war atemberaubend und hat wohl zwei Gründe:

– Die Kohlekraftwerke in der benachbarten Provinz Gansu  müssen unglaubliche Ausmaße haben. Deren Rauchentwicklung macht sich hier tatsächlich bemerkbar, vor allem im Herbst und Winter.

– Die Angewohnheit auf dem Land noch mit Kohle zu heizen wirkt sich im Zusammenspiel mit den Gansu Abgasen noch negativer aus.

Hinzu kommt unzureichende Müllentsorgung bei zunehmender Konsumgesellschaft, der häufig deshalb an Ort und Stelle verbrannt wird. Ein Blick in den Kühlschrank meiner Schwiegereltern zeigte mir, das da bis auf ein paar Plastiktüten nichts irgendwie verschweißt war oder eine Supermarktverpackung aufwies. Dieser altmodische Trend weicht aber langsam der Moderne, was ein Blick in den örtlichen Kiosk bestätigte. In einer Umgebung, in der man das Abendessen ein Stunde vor dem Mahl vom eigenen Feld holt, ist das ein eklatanter Wechsel der Gewohnheiten.

Die fehlende Kanalisation ist ebenfalls sehr nachteilig. Wer abends auf der unbeleuchteten Straße ein paar Gläser Maotai zu viel hatte, der kann schnell in der Kloake landen. Ein unerträglicher Zustand im Jahr 2013.

Grab

Grab

Kohlen

Kohlen

Das alles ändert aber nichts am Charme der Umgebung. Im Prinzip ist eine Wanderung durch das kleine Dorf nicht viel anders als bspw. im Allgäu. Jeder kennt jeden und grüßt, es wird ein Schwätzchen gehalten über dies und das. Tiere überall, wer glaubt Chinesen alles mit 4 oder mehr Beinen sollte sich einmal mit den regionalen Eigenschaften vertraut machen, bei einem Land das um ein vielfaches grösser ist der Hauptteil Europas.

Eine der vielen Dinge die mir sofort auffielen waren die Gräber auf dem offenen Feld, die mit viel Prunk geschmückt wurden. Offensichtlich gibt es keine einheitliche Regelung was mit den Toten in dieser Region geschieht, so werden Verstorbene mal eben auf dem eigenen Feld verscharrt. Mutet merkwürdig an, scheint aber schon so seit Ewigkeiten zu geschehen.

Kirchenband

Kirchenband

Kirchenband 2

Kirchenband 2

Zum Thema ärztlichen Versorgung sei noch gesagt, es gibt sie, wenn auch wie zu erwarten ein wenig anders als gewohnt. Am dritten Tag plagte uns eine kleine Erkältung, weshalb wir uns zum nahen „Medizinmann“ begaben. Wie sich herausstellte, handelte es sich hierbei um einen ehemaligen Klassenkameraden meiner Frau der sage und schreibe 2 (!) Jahre Medizin studierte hatte. Nachdem er uns mit einer Stabtaschenlampe – es war abends – in den Rachen geleuchtet hatte, verpackte er 8 kleine Briefpapierbündel mit je 8 Pillen drinnen für uns in seiner Praxis (oder eher Garage). Auf die Frage ob ich nicht einen Tropf wolle, antwortete ich ablehnend. Bezahlt habe ich für die Medizin westlicher Produzenten umgerechnet 50 Cent. Was soll ich sagen, am nächsten Tag ging es mir bedeutend besser, doch leider beging ich den Fehler mir morgens gleich ein zweites Päckchen einzuwerfen. Nun, ich kann mich nur noch vage erinnern wie dieser Tag ablief, denn scheinbar war eine der Pillen wohl einen Schlaftablette.

Dennoch glaube ich, dass man zumindest mit kleineren Wehwehchen dort ganz gut aufgehoben ist. Interessant ist das Preisgefüge für die gleiche Medizin, wie wir sie auch in Deutschland nutzen.

Glashaus

Glashaus

Diese kleine Reise aufs‘ Land war nach 7 Jahren in China sehrt aufschlussreich, denn endlich konnte mir das Land mal wieder etwas Neues bieten. Solche Erfahrungen helfen das gesamte Land zu verstehen, abseits der Großstadt mit neuer Perspektive. China ist flächendeckend kein s.g. 2. Welt Land, es ist zum größten Teil noch immer 3. Welt, das kann man schön reden wie man will. In Anbetracht dessen, dass Shaanxi im Vergleich zu anderen Provinzen wie bspw. Anhui noch recht wohlhabend ist, graut es einen bei den Zuständen dort. Die Schäden die die Menschen dort der Umwelt anrichten sind irreparabel und was dabei wirklich verstörend ist scheint die Tatsache, dass es keine Alternative dazu gibt. Im Moment gibt es keine Alternative zu diesem Raubbau an der Natur als den Status Quo und genau dies ist beängstigend.


Shaanxi Provinz – Sanyuan pt. 1

Wenn man heute über China liest, dann sieht man meistens Bilder von Fabriken, Hightech Häuser, riesige Städte oder schlicht Protz sondergleichen. Oft wird dabei vergessen, dass es sich um ein Riesenland handelt, in dem der Hauptteil der Bevölkerung immer noch auf dem Land lebt, in Umständen, die eher der 3. Welt zuzurechnen sind anstatt einem Entwicklungsland. So eine Erfahrung durfte ich in diesem Monat tun, denn es ging zu den Eltern meiner Frau nach Shaanxi, genauer Sanyuan (三原), 50 km nördlich der alten Hauptstadt Xian. Genauer gesagt, hier:

 San Yuan / Shaanxi

Xian an sich ist ja schon ein ziemliches Loch, das außer seiner Stadtmauer und Terrakotta Armee absolut nichts zu bieten hat. Dementsprechend waren meine Erwartungen hinsichtlich des Landes.

Vom Flughafen ging es ca. 50 Minuten über Stock und Stein in einen Honda Accord. Da es bereits abends war, konnte man recht wenig von der Umgebung sehen, nur eines war klar, es war hier im November bereits empfindlich kälter als noch in Shanghai um diese Zeit. In dem kleinen Dorf angekommen, erst einmal Ernüchterung. Straßenbeleuchtung vorhanden aber nicht genutzt, aus Kostengründen.  Später sollte ich erfahren, dass der Bürgermeister von ein paar Wochen wegen Korruption in Millionenhöhe verhaftet wurde, während die Bürger ab 18 Uhr im Dunkeln leben.

Village Street

Straßenszene

Der erste Eindruck des Hauses war nett. Ein ca. 300m2 typisches Bauernanwesen, umgeben von einer Mauer und mit einem großen traditionellen Tor versehen. Die vier Hauseinheiten (jede mit einem oder zwei Räumen) sind rund um einen großen Innenhof angeordnet, aber ohne Verbindung miteinander. Das bedeutet, wenn man bspw. vom Wohnzimmer ins Kinderzimmer will, muss man den Hof überqueren. Mutet merkwürdig an, scheint aber so Gang und Gebe zu sein, denn später sah ich das gleiche Schema auch auf anderen Höfen. Ich sollte erwähnen, dass meine Frau ihre Eltern mit etlichem Schnickschnack ausgestattet hat der anderen nur teilweise vergönnt ist. So haben sie einen Gasherd mit Abzugshaube, Dusche und normales WC (andere Häuser haben zum Teil noch Plumpsklo aufgrund der fehlenden Kanalisation), Solarwasserwärmer auf dem Dach (ebenfalls kein Standard, vielerorts wird es kalt genutzt) und sogar Flat TV samt DVD. Schaut man sich dagegen Nachbarn an, wird dort teilweise noch mit Kohleherd gekocht.

Traktor

Traktor

Goat

Ziegengott

Mittlerweile haben aber auch viele andere ihre Kinder in die Stadt geschickt, sodass es vielenorts auch Internet und ähnliche Errungenschaften der Moderne gibt. Das muss man sich vor Augen führen, Ipad und Plumpsklo, Dunstabzugshaube und Kohlenofen, DSL und kein warmes Wasser. Irgendwie hat man da das Gefühl, dass die Jungs vom Fortschritt überrannt werden, ohne die wirklich essentiellen Vorzüge genießen zu können.

Felder

Felder

Nun, der Kälte begegnet man auf pragmatische Weise, man zieht einfach mehr an. Das Problem ist, es ist einfach überall kalt, wie man es auch von anderen Orten Chinas kennt. In Xian gibt es zwar Zentralheizung, doch im Dorf muss man auf so etwas verzichten. Gepaart mit dem doch begrenzten Warmwasservolumen, hatte der ganze Trip eine gewisse Campingatmosphäre inne. Dem Chinesen macht die Kälte nichts aus, denn wie ich am verschwägerten Großvater sah, kann man so tatsächlich 92 Jahre alt werden. Wird es aber heiß, dann leidet sie, somit haben die reichsten des Dorfes eine Klimaanlage auf dem Dach.

Essen

Essen

Welpen

Welpen

Interessant zu erwähnen ist die Kirche in diesem Ort. Mit dem Umfang einer deutschen Einrichtung in einer Kleinstadt, ist diese bei 900 Einwohnern völlig überdimensioniert. Wie ich aber sehen durfte, ist die Messe stets voll belegt. Die gesamte Gemeinde sowie ihre umliegenden Dörfer sind rein katholisch, was schon ein wenig merkwürdig anmutet, wenn man China kennt. Laut Pfarrer kam der erste Missionar Anfang des 19. Jahrhunderts nach San Yuan und seitdem ist die Region streng katholisch und hat vor allem in den 60‘ sehr unter den Kommunisten gelitten. Dieser Umstand bringt aber auch eine sehr gemeinschaftliche Atmosphäre unter den Bewohnern mit, in der jeder jeden kennt. Überhaupt habe ich dort die bisher freundlichsten Menschen in China getroffen.

Dorfstrasse

Dorfstraße

Kirchturm

Kirchturm

Gründe zur Überschwänglichkeit gibt es jedoch nur wenige. In naher Vergangenheit konnte man durch die Korruptionsaffäre des Bürgermeisters eine Zwangsumsiedlung abwenden. Zwar fiel die Entschädigung großzügig aus, doch welcher alte Baum lässt sich schon gerne verpflanzen? Nun hat man eine Galgenfrist von ca. 20 Jahren, welche bei der aktuellen Landflucht vlt. ausreicht das Problem von allein zu lösen.