Monatsarchiv: April 2014

Fitnessstudio in China: Nachtrag

Gestern gesehen, Typ im mittleren Alter betritt das Laufband. Moderat geht es bei 5km/h los, man geht mehr statt man läuft. Nach ca. 5 Minuten beginnt Mann zu schwitzen, Skandal! Also Beine auf die Leiste an der Seite und die Geschwindigkeit als auch Neigung auf höchste Stufe. Nun schauen wir für ca. 14 Minuten TV während unter ihm das Band mit 18,5 km/h bei 10% Neigung läuft. Ruckzuck hat Supermann 5 km auf dem Tacho, reguliert wieder nach unten und setzt das Gehen bei 5 km/h fort.
Noch einmal 5 Minuten später kommt wohl die Frau von ihm, schaut auf den Zähler und ist ganz außer sich vor Freude! Es werden von beiden Fotos vom Zähler geschossen die gleich bei Wechat (WhatsApp Alternative in China) gepostet werden, um allen zu zeigen, was für einen sportiver Gatte er doch ist.

Ich selbst konnte mein Training nicht fortsetzen, denn Lachen ist bei Ausdauer kontraproduktiv.

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Eine Frage der Ehrlichkeit?

Carmenere Rebe

Stelle dir vor, du kaufst seit Wochen  von Zeit zu Zeit im örtlichen Tesco einen Carmenere aus Chile; ausgeschrieben ist er mit RMB 112 (ca. 11 Euro). Nun berechnet man dir an der Kasse aber stets nur RMB 56, also genau die Hälfte. Du hast dich bereits vergewissert, ob es ein besonderes Angebot ist, aber dem scheint nicht so. Es muss sich als um einen Fehler im System handeln, somit kommen wir zur Frage, würdest DU freiwillig auf diesen Fehler hinweisen?

Jedes Mal wenn du den Wein kaufst freust du dich diebisch, wenn dir an der Kasse nur 50% berechnet werden. Gemischt mit einer Pinte schlechtem Gewissen versteht sich. Dazu muss man sagen, dass solche Sachen in China häufig vorkommen. In einem Importladen namens Pines in Shanghai hat man mir sogar schon mal Geld für Wein gutgeschrieben, anstatt berechnet. Freunde hatten im gleichen Tesco einmal einen großen Sack Katzenfutter unten im Wagen und vergaßen ihn  aufs Band zu tun. Aufgefallen ist denen das erst vor der Tür, zurückgebracht haben sie ihn aber nicht (weniger aus Geiz als mehr vor Bammel Ärger zu bekommen).

Wo kein Kläger, da kein Richter. Nullo actore nullus iudex.


China-Leben in Kennzahlen

Wenn man so in einem Strudel gefangen ist, kann man sich immer ganz gut in Zahlen ausdrücken. Da wären…

– 7 Jahre und 4,5 Monate sesshaft in China

– 9 Visa

– 6 Jahre und 2 Monate chinesischer Fuehrerschein

– 0 Unfälle mit dem Auto

– 6 Jahre und 9 Monate Fahrrad in China

– 3 Unfälle mit dem Rad

– 3 verschiedene Positionen in einer Firma

– 6 Jahre und 1 Monat in einer Beziehung

– 46 Flugtickets in alle Welt

– 4 Wohnungen

– 2 Autos

– 19 Erkältungen

– 1 OP

– 1 Hochzeit

– Shanghai Wachstum von 21 Mio. auf 23 Mio. Menschen

– 2 Katzen (-1)

– 8 Goldfische

– 4 Fitnessstudios

…zig hundert andere Dinge die man nicht wirklich zählen kann, sollte oder darf.

Im Strudel...

Im Strudel…


Neues Lufthansa Equipment

Wer guten Service will, der fliegt Swiss. Wer gute Unterhaltung will, der fliegt Emirates. Wer gutes Essen will, der fliegt Air France. Wer pünktlich sein will und auf alles andere verzichtet, der fliegt Lufthansa. Da der LH ihr Ruf als Service-Satan der Lüfte und Freundichkeitslimbo-Benchmark zum Hals raus hängt, hat man nun einen neuen Stewardess Meinungsverstärker auf Langstreckenflügen eingeführt:

Kann ich ein Kissen haben?

Kann ich ein Kissen haben?

Also beim nächsten Mal in der LH Holzklasse besser zweimal überlegen, ob man sich über seine defekte Armlehne beschwert, kann ins Auge gehen.


Neuigkeiten aus China

Heute mal nur eine Neuigkeit, dafür aber eine sehr relevante.  Warum Polizisten in China keine Waffen haben, hatten wir hier ja bereits einmal gut dokumentiert. Wer alte Frauen die Melonen plündern mit dem Revolver bedroht, der sollte keine Schusswaffe haben.

Seit dem Uiguren Anschlag in Kunming allerdings, ist man ein wenig besorgt. Während 11 Angreifer Zeit hatten dutzende Menschen mit Messern zu töten und dabei noch über 100 zu verletzen, fragt man sich, warum es so lange dauerte bis man sie mittels Schusswaffe außer Gefecht setzte. Als Reaktion hat Shanghai jetzt 1000 Polizisten mit Revolvern ausgestattet.

Mit dieser Aktion endet eine lange Periode in der reguläre Polizisten stets unbewaffnet waren. Für ernste Eingriffe hat man stets die s.g. schwarze Polizei rufen müssen, die man wirklich selten hier sieht. Zwar wurden diverse Regeln für diese Polizisten erlassen, dennoch hinterlässt es ein merkwürdiges Gefühl. Eines der besten Details über China ueberhaupt ist sein restriktives Waffengesetz. Bei der Menschenmenge und dem teilweise impulsiven Verhalten gepaart mit Gruppendynamik, mag man sich nicht vorstellen was geschehen würde wären Waffen frei zugänglich (siehe just hier und hier).

Von ‚frei zugänglich‘ ist China zwar meilenweit entfernt, doch eine Präsenz von Schusswaffen in der Öffentlichkeit ist mit dieser Änderung nun doch gestartet. Security Männer bei Geldtransporten treten zwar martialisch mit Pumpguns auf, doch muss man wissen, dass diese lediglich mit Hartgummigeschossen geladen sind. Hinzu kommt eine etwas beschränktes Vertrauen in die Polizei (bei Chinesen als auch Ausländern), was nicht unbedingt einen unverkrampften Umgang mit dem Thema fördert.

Zweifellos steht aber auch fest, dass die Opferzahlen in Kunming bedeutend geringer ausgefallen wären, wenn Polizisten adäquat hätten durchgreifen können; sprich Schusswaffen einsetzten. Aber alles hätte, könnte, sollte hilft jetzt nicht mehr, geht es schließlich nur noch um Prävention. Eingesetzt werden die neuen „Armed Police Officers“ zunächst nur an sensitiven Stellen wie Busbahnhöfen, Bahnhöfen und Flughäfen. Auch wurden die betroffenen Beamten wohl sorgfältig ausgesucht, also einem Background Check unterzogen und entsprechend sozial bewertet.


Die Katz ist tot!

Bekanntermaßen haben (hatten) wir ja einen schwarzen (Mickey)  und einen weißen Kater (Frankie).  Nun, Frankie hatte vor 3 Wochen dermaßen abgenommen, dass ich ihn zum Tierarzt nahm. Ein Bluttest ergab, dass er nur noch 25% Nierentätigkeit hatte, also akut in Lebensgefahr. Wir haben ihn dann 5 Tage stationär behandeln lassen und danach hatte sich sein Zustand tatsächlich eingependelt. Wir nahmen ihn also nach Hause  um ihn dort weiter zu pflegen. Leider konnte er seinen Stuhl nicht mehr halten, aß immer noch nicht und zu allem Überfluss hat der Schwarze ihn angegriffen.

Beim Arzt

Beim Arzt

Lange Rede kurzer Sinn, wir haben uns also dazu entschlossen ihn einzuschläfern bevor er noch mehr litt. Meine Frau bestand aber darauf, ihn irgendwo am Fluss zu beerdigen, anstatt ihn beim Tierarzt einzuäschern. Das ist in Shanghai gar nicht so einfach, da die Ufer hier extrem bebaut sind und keinerlei Freifläche verfügbar ist. Allerdings wusste ich von meinen Fahrradtouren von einem alten Werftgelände, das zwar bewacht wird, jedoch viel Platz hat. Also haben wir uns eine Schaufel vom Hausmeister geliehen, den kleinen Frankie in einem meiner T-Shirts eingewickelt und ab dahin. Eine kurze Erklärung mit dem Security verschaffte uns Einlass, sodass wir ihn (also die Katze, nicht den Security) ordentlich bestatten konnten. Einen kleinen Obolus schlug der Mann aus, nur beeilen sollten wir uns, damit er keinen Ärger bekomme.

Beim Arzt

Noch mal schauen…

Jetzt liegt unser kleiner Frankie am Flussufer und kann dort Schiffe beobachten. Mit 4 Jahren nicht gerade ein biblisches Alter, aber er war halt auch ein Streuner. Nierenversagen soll übrigens bei Katzen in China Todesursache Nummer eins sein, keine Ahnung warum. Die gesamte Tierarztprozedur hat umgerechnet 380 Euro gekostet…

Schon nicht prickelnd sich von einem Tier so zu verabschieden und über seinen Tod zu entscheiden. War eine gute Katze!


Was tun…

…wenn man Urlaub hat, die Frau aber arbeiten muss?

Zuhause bleiben? Mehhhh…langweilig. Urlaub stornieren? Geht nicht. Also, alleine oder mit Freunden weg. Wenn die Freunde nun keine Zeit haben oder deren Frauen es nicht so gerne haben, wenn der Göttergatte allein in Asien herumreist, dann wird die Wahl eng.

Ergo: ich werde allein für 4 Tage nach Seoul um mir die Stadt und die entmilitarisierte Zone entlang Nordkorea anzusehen. Der Flug dauert 1 Stunde und 50 Minuten, ist also gleich um die Ecke. Für etwa 250 Euro hin und zurück bringt einen Asiana, Korean Air oder China Eastern von Shanghai auf die Halbinsel.

Als Reiseführer muss wieder der hier herhalten:

Lonely Planet Korea

Lonely Planet Korea

Die Erfahrungen in Kambodscha, Vietnam und Japan waren so gut, dass ich mir darauf wieder verlassen werde. Auch wenn man nur Seoul besucht, ist dieser Teil im Buch besonders ausgeprägt also befriedigend.

Mein Hotel wird ein kleines privates Haus sein. Zwar gibt es auch wie in Japan die Ryokan traditionelle Häuser namens Ondol, doch ich will nicht so viel Geld ausgeben. Die Unterbringung in Seoul haut bei den Kosten nämlich so richtig rein, anders als die Anreise. Selbst meine kleines privates Hotel ist das nicht zu verachten, aber wenigstens hat es einen großen Spabereich ähnlich einem japanischen Onsen.

Seoul Siegel

Die Tour zur DMZ bei Nordkorea muss mindestens 2 Wochen früher angemeldet werden, ansonsten kann man in die Röhre schauen. Und auch dann kann jedes noch so kleine Ereignis dafür sorgen, dass die Tour abgesagt wird. Eine kleiner Schuss, eine Konfrontation auf See und Essig ist es mit nach Nordkorea glotzen. Die restlichen Tage werde ich durch die Stadt streifen, wird bestimmt nett!


Bücher von Amazon

Um die Zeit hier ein wenig zu versüßen, bestellen wir so zwei oder drei mal im Jahr Bücher bei Amazon. Dies geschieht meistens zu zweit oder zu dritt, denn die Versandkosten nach China sind mit um die 20 Euro nicht ohne. Wer aber ganz konservativ lieber ein Buch anfassen will anstatt ein Kindle, der kommt da nicht darum herum. Folgendes ist diesmal im Gepäck:

Helmut Spiegel – Ich schäbiges Frikadellchen

In einem Satz: das Leben eine Ruhrpottfamilie zwischen den beiden Weltkriegen.

Erich Lepkowski – Niemals aufgeben

In einem Satz: Kriegserlebnisse eines Fallschirmjägers an der Ostfront im 2. WK.

Dr. Hans-Heinz Rehfeldt – Erinnerungen eines Unteroffiziers des Granatwerferzuges 1943-1945

Hierauf freue ich mich besonders, denn Band 1 davon war bereits sehr interessant. Band 2 umfasst eben den Endkampf bis zum Untergang.

Per Leo – Flut & Boden

In einem Satz: Wie lebte es sich in einer Familie, in der der Vater eine führende Position beim RSH (Reichssicherheitshauptamt) inne hatte.

Theodor Michael – Deutsch sein & schwarz dazu

In einem Satz: man erzählt die Geschichte eines Afrikaners der die NS Zeit in Deutschland verbrachte. Sicherlich sehr interessant.


Fitnessstudio in China

Im Rahmen meines Aufenthaltes habe ich bereits vieles über Erlebnisse in Gyms hier geschrieben und auch bei Gesprächen werden Berichte über rauchende Läufer auf dem Laufband und sich den Sack föhnende Sportler nicht langweilig.

Vor 3 Wochen habe ich eine neue Mitgliedschaft bei einer lokalen Kette namens Star Gym abgeschlossen. Für 2,000 RMB (~ 220 Euro)  pro Jahr darf ich mich jetzt körperlich betätigen. Als ich 2006 ankam, habe ich bereits in Pudong einmal eine Mitgliedschaft bei den Jungs inne gehabt; für damals RMB 1,000 pro Jahr.

Wie auch immer, nach dem letzten Studio konnte es nur besser werden. Was soll ich sagen, es ist besser. Niemand ist nackt, rudimentäres Englisch ist vorhanden und die Auswahl an Geräten ist umfangreich. Hygiene wie immer so lala, mir aber egal, ich bin Heimduscher.

Was ich da gestern aber sehen durfte, war mal wieder atemberaubend. Ich muss erwähnen, das ich ein Sozialtotalversager bin, wenn es um Sport geht. Am liebsten bin ich allein und reden hasse ich auch. Gestern allerdings, war beides nicht möglich. Menschenmassen sorgten dafür, dass ich während des Sports einen Charme wie Heiligabend im Karstadt verspürte. Zwar hatte ich Glück und nach 5 Minuten einen Cross Trainer ergattert, allerdings damit auch einen perfekten Aussichtspunkt für die Dinge die sich da unter mir abspielten. Der Reihe nach:

1. Leute stellten sich an den Laufbändern und Maschinen an, um als nächstes dran zu kommen. Wie nervig ist das denn? Steht einer hinter dir und wartet das du fertig wirst…

2. Läufer dehnten sich auf den Bändern während andere anstanden. Die hätte ich runter geprügelt.

3. Halbstarke joggten in Jeans und Unterhemd.

4. Ayis (ältere Damen) liefen in Crocs.

5. Einer brachte seine Burger King Tüte mit auf das Band und nippte genüsslich von Zeit zu Zeit an seiner Cola…

6. Leute „reservierten“ mit Wasserflaschen Geräte und verließen dann den Bereich. Andere kamen, sahen die Flasche, wussten nicht was zu tun ist und stellten sich an ein leeres Gerät an (erinnert mich an die Handtuch-Liegen-Okkupanten im Urlaub).

War also alles ganz unterhaltsam. Als ich meine 30 Minuten Cross Trainer voll hatte, war wenigstens der Kraftbereich ein wenig gelichtet, während er in Deutschland wahrscheinlich immer noch wegen Überfüllung geschlossen wäre. Ich freue mich bereits auf weitere erquickende Körperertüchtigungen, wobei ich in der Regel ja nur Samstag- und Sonntagmorgen gehe, wenn nichts los ist.


Neuigkeiten aus China (und Asien)

Es ist Zeit den April einzuläuten und sich anzusehen, was im tollsten Land der Welt mit seinen Anrainern so abgeht. Da hätten wir zunächst diesem Herrn:

Moppel

 Wer dessen Frisur nicht gut findet, der sollte lieber nicht in Erwägung ziehen in Nordkorea zu studieren, denn dort ist es ab diesen Monat für alle männlichen Studenten Pflicht den gleichen Haarschnitt wie der große Führer zu haben. Kein Witz, Konditionierung auf höchstem Niveau. Dagegen erscheint das gestern stattgefundene Seegefecht zwischen dem Norden und Süden ja geradezu trivial. Habe ich schon erwähnt, dass ich eine dreitägige Tour nach Seoul plane? Ein Besuch an der Grenze zur DMZ gehört bei so etwas zum guten Ton, ich werde berichten.

In China selbst hat man sich letzte Woche kräftig vom Philippo an der Nase herumführen lassen. Obwohl eine Seeblockade um die Spratley Inseln Taiwan, Vietnam und die Philippinen vom Betreten dieser abhalten sollte, haben sich ein paar auf einem alten Wrack durch geschmuggelt und sich auf Riff dort festgesetzt. Eine fiese Ohrfeige für China, schließlich handelt es sich im Auge des gängigen KP Kaders ja um Menschen unterster Klasse die nur als Nannys und Schiffsbesatzungen zu gebrauchen sind.

Der MH370 Flug ist immer noch nicht wieder aufgetaucht und man kann sich nur wuenschen, es gibt bald ein Zeichen von dem Flieger. Für Angehörige muss das wirklich ein Trauma sein.

Das hindert aber Internet Idioten nicht daran die übelsten Gerüchte im chinesischen Web zu verbreiten. Ein gängiges momentan ist, dass die USA das Teil abgeschossen haben, weil ein Nuklearforscher aus China an Bord war. Die Regierung hat die Zeichen der Zeit erkannt und zur Mäßigung aufgerufen. Nicht umsonst wurde vor 3 Jahren ein Gesetz erlassen, das jenes Verbreiten von Gerüchten im Internet hart bestraft. Man erinnere sich an die Auswirkungen während der Fukushima Krise als es hieß, Jodsalz helfe gegen Strahlung….

Flieger (bzw. Parker)

 Zu guter Letzt noch ein Blick Richtung Süden, gen Hong Kong und Shenzhen. Dort wütete ein Monsun in den vergangenen Tagen, was zu empfindlichen Störungen im Flugverkehr führte. Eine Maschine von Dragon Air (Budget Arm der Cathay) aus Shanghai konnte nicht in HK landen, weshalb sie nach Shenzhen umgeleitet wurde. Dort traf sie um 21:30 Uhr ein, wobei aber niemand den Flieger verlassen durfte.  Um 7:00 Uhr am nächsten Morgen dürfte die Maschine weiter.

Was sich da abgespielt haben muss kann man nur mutmaßen, aber zwischenzeitlich soll sogar der Strom an Bord ausgefallen sein und Wasser gab es auch keins.